Cambiad Furia y Tristeza a Resistencia!

carlos

Am heutigen Samstag, den 17. Nov. 2007, kamen in Bochum aus vielen Ruhrgebietsstädten (und darüber hinaus) über 100 AntifaschistInnen zusammen um ihrer Wut und Trauer über den faschistischen Mord an Carlos Palomino Ausdruck zu verleihen.

Dieser wurde am Sonntag, den 11. November, in der Madrider U-Bahn von einem 24jährigen rechtsradikalen Berufssoldaten erstochen. Der Faschist war auf dem Weg zu einer rassistischen Kundgebung der Partei „Democracia Nacional“ (DN), als er auf die jugendlichen AntifaschistInnen aufmerksam wurde, die zu einer Gegenkundgebung unterwegs waren. Er griff die Jugendlichen mit einem Jagdmesser an, wobei Carlos durch einen Stich ins Herz getötet wurde, und drei weitere zum Teil schwer verletzt wurden.

Eineinhalb Stunden zog die Demonstration durch Bochum, wobei mehrmals der beiliegende Redebeitrag verlesen wurde und 2000 Info-Flugblätter an die Bevölkerung verteilt wurden.

Die Antifaschistische Jugend Bochum bedankt sich insbesondere bei allen auswärtigen TeilnehmerInnen, die zum Teil lange Fahrtzeiten auf sich genommen hatten.

Unsere Anteilnahme und Solidarität gilt den Angehörigen, FreundInnen und GenossInnen von Carlos, sowie allen anderen Verletzten und Festgenommenen der antifaschistischen Proteste.

Hasta la victoria siempre!

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Anhang 1: Rede
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Liebe Leute,

heute haben wir uns im Andenken an Carlos Javier Palomino versammelt.

Carlos wurde am vergangenen Sonntag ermordet. Er befand sich auf dem Weg zu einer Kundgebung gegen einen Aufmarsch der faschistischen Democracia Nacional.

Der Mörder war ein 24-jähriger Berufssoldat der spanischen Armee und war auf dem Weg zu eben jenem Nazi-Aufmarsch. Er erkannte Carlos und seine FreundInnen an deren Antifa-Buttons
und stach auf diese mit einem Jagdmesser ein.

Er tötete Carlos mit einem Stich ins Herz,
verletzte einen anderen Antifaschisten mit einem Stich in die Lunge und verwundete zwei weitere.

Für Mittwoch rief eine antifaschistische Organisation zu einer
Trauerdemonstration in Madrid auf.
Doch die Behörden hatten nichts besseres zu tun, als diesen Aufruf als „Gefährdung für die öffentliche Ordnung“ zu diskreditieren und verbot unter diesem Vorwand die Demonstration.

Die Wirklichkeit des Mordes an Carlos zeigt dagegen, dass die tatsächliche
Gefährdung von den Faschisten und nicht von ihren Gegnern ausgeht.

Die spanische Presse stellt den Mord als Teil eines Bandenkrieges dar und schiebt
teilweise sogar dem Opfer die Schuld zu.

Auch die deutsche Berichterstattung ist kaum besser: während die meisten
bürgerlichen Medien den Mord gar nicht erst erwähnen,
verdreht „DER SPIEGEL“ die Tatsachen, indem er behauptet, der Mord sei das Ergebnis einer
„Massenschlägerei“ zwischen Linken und Rechten und beachteten nicht einmal das
tatsächliche Alter des minderjährigen Opfers;
sie machten ihn einfach mal vier Jahre älter.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die Presse und die Behörden in dieser
Weise auf solche Verbrechen reagieren.
Wir nehmen solch eine Unterschlagung, Relativierung und Umdeutung faschistischer
Morde nicht länger hin!

Neben den Reaktion ist ebenfalls nicht neu, dass Soldaten der spanischen Armee
rechtsradikal motivierte Gewalttaten begehen.

Ein paar Beispiele:
Zur Zeit sind vier Soldaten angeklagt, einem bekannten Schwulen und politisch
aktiven Linken nachgestellt und ihn auf offener Straße zusammengeschlagen zu haben.

Auch Migranten haben unter faschistischen Gewalttaten zu leiden.
Vor kurzem wurde eine Migrantin aus Ecuador von einem 20-jährigen erst sexuell
belästigt und dann brutal ins Gesicht geschlagen und getreten.

Um den spanischen Staat zu einer Verfolgung der Tat zu bewegen, musste erst das
ecuadorianische Außenministerium intervenieren.

Der Täter ist bis heute auf freiem Fuß.

All diese Vorfälle und die Rolle des Staates hierbei lassen sich in eine lange Reihe
derartiger Vorfälle in Europa und auch in Deutschland einreihen.

Auch vor zwei Jahren, nach dem Mord an dem Dortmunder Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz durch einen Nazi, stritt die Justiz jeglichen politischen Zusammenhang ab und verurteilte den Mörder wegen „Totschlags“.

Warum ziehen sich Staat und Öffentlichkeit immer wieder aus der Verantwortung zurück?!
Derartige Verbrechen und deren mangelnde Konsequenzen sind keine Einzelfälle!
Sie passieren immer wieder und überall und sie können jederzeit wieder passieren.

Der Mord an Carlos rückt dies noch einmal auf unfassbare und drastische Weise in
unser Bewusstsein.

Die faschistische Gefahr ist mörderisch und in Europa überall und zu jeder Zeit
vorhanden.

Viel zu viele mussten dies bereits am eigenen Leib erfahren.

Wir möchten unsere tiefste Trauer um Carlos Javier Palomino ausdrücken und
faschistischen Gewalttaten und Morden ein entschiedenes „Nie wieder!“
entgegensetzen.

Und:
Wir rufen auch euch dazu auf, mit allen Mitteln zu kämpfen, um dieser Gewalt ein
Ende zu setzen.

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Anhang 2: Flyer
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- Wandelt Wut und Trauer in Widerstand -
Wir trauern um Carlos Javier Palomino

Am Sonntag, dem 11. November 2007 wurde der 16-jährige Antifaschist Carlos Javier Palomino in einer Madrider U-Bahn-Station von einem 24-jährigen Neonazi durch einen Stich ins Herz ermordet. Carlos war mit FreundInnen auf dem Weg zu einer Gegenkundgebung zu einer Nazidemo der „Democracia Nacional“ (DN), welche unter dem Motto „Nein zum antispanischen Rassismus! Nein zur Migration!“ stattfand. Der 24-jährige Berufssoldat stach einem zweiten Antifaschisten mit seinem Jagdmesser in die Lunge und verwundete drei Weitere. Der Soldat erkannte die antifaschistischen Jugendlichen an ihren Antifa-Buttons und griff sie aufgrund dessen an.

Als die Nachricht des faschistischen Mordes auf der Gegenkundgebung bekannt wurde, versuchten die Antifas vehement die Nazidemo zu verhindern. Die Polizei schützte die faschistische Demonstration, in dem sie die GegendemonstrantInnen mit Gummipatronen unter Beschuss nahmen, mit dem Effekt, dass die Faschisten ihren Aufmarsch unbehelligt durchführen konnten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Angehörige der spanischen Armee faschistisch motivierte Gewalttaten begehen. Zur Zeit sind vier Soldaten angeklagt, einem bekannten politisch Aktiven und Homosexuellen nachgestellt und ihn auf offener Straße zusammengeschlagen zu haben. Auch im Allgemeinen nehmen rassistische Gewalttaten in Spanien zu: vor Kurzem wurde in Barcelona eine Migrantin brutal und sexistisch von einem Rechten in der Metro attackiert. Der Angreifer ist auf freiem Fuß.
Die DN, welche zur Demonstration aufgerufen hatte, ist eine faschistische Partei nach dem Vorbild der der französischen Front National. Es bestehen auch Verbindungen zu anderen faschistischen und rassistischen Parteien in Europa, so zu den deutschen Naziparteien DVU und NPD. Udo Voigt, der Vorsitzende der NPD, rief bei seinem letzten Spanienbesuch an ein Bündnis zwischen spanischen und deutschen Faschisten. Genau wie ihre deutschen Kameraden, übernahm auch die DN ein rassistisches Wahlplakat der Schweizer Volkspartei. In der auf Spanien abgestimmten Version tritt ein weißes Schaf ein schwarzes von der spanischen Flagge herunter. Doch Worten folgen leider immer häufiger auch Taten: 2005 machten Anhänger der Partei eine Hetzjagd auf Einwanderer im Madrider Stadtteil Villaverde. Entstanden ist die Partei im von Franco gegründeten „Spanischen Kreis der Freunde Europas“ (CEDADE). Ex-Parteiführer Varela Geiss versucht mit einem Buchladen in Barcelona gegen die „Auschwitz-Lüge“ und die „jüdische Weltherrschaft“ vorzugehen.
In den deutschen Medien wurde die Tat nahezu totgeschwiegen oder falsch dargestellt. Der Spiegel schreibt über eine „Massenschlägerei“ zwischen Linken und Rechten in der Madrider U-Bahn bei der angeblich ein „20-Jähriger“ Antifaschist ums Leben gekommen sei. Diese Verdrehung der Tatsachen ist ein skandalöses Beispiel für die Art und Weise der deutschen Presse mit faschistischen Morden umzugehen. In der spanischen Presse wurde die Tat als Teil eines Bandenkrieges dargestellt und teilweise sogar dem Opfer die Schuld zugeschoben. Dies entspricht ganz dem Kurs der spanischen Regierung, welche linke Parteien verbietet und die Antifaschisten schwersten Repressionen aussetzt, während die faschistische Franco-Partei Falange bei der letzten Wahl vollkommen legal antreten durfte. Es ist absolut inakzeptabel, dass immer wieder AusländerInnen, AntifaschistInnen, Linke und Homosexuelle in ganz Europa von Faschisten angegriffen oder gar ermordet werden.
Wir nehmen es nicht hin, dass der Mord an einem Jugendlichen von der medialen Öffentlichkeit relativiert, totgeschwiegen oder pervertiert wird. Wir richten unseren Protest gegen das Vorgehen des spanischen Staates, der Faschisten gewähren lässt und zusieht, wie Menschen überfallen und ermordet werden. Außerdem protestieren wir gegen das repressive Vorgehen aller europäischen Staaten gegen MigrantInnen, Linke und AntifaschistInnen.
Wir trauern um Carlos Javier Palomino und erklären unsere Solidarität mit seinen Angehörigen, FreundInnen und GenossInnen!

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