Demo gegen Naziaufmarsch in Bochum

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Gegen Rassismus, Volksgemeinschaft und nationale Identität!
Eine kurze Zusammenfassung:

Am 25. Oktober 2008 fand im Bochumer Stadtteil Ehrenfeld eine vom Hauptbahnhof ausgehende Demonstration der NPD gegen AusländerInnen statt. Dementgegen stellten sich diverse antifaschistische Aktivitäten. So gab es eine Antifa-Demonstration in der Bochumer Innenstadt, die von der Antifaschistischen Jugend Bochum (AJB) und weiteren Gruppen aus Bochum und dem Ruhrgebiet organisiert wurde.

Die Demo war mit bis zu 900 TeilnehmerInnen verhältnismäßig gut besucht. Darunter fand sich das typische Antifa-Klientel, zahlreiche SchülerInnen aus Bochum, sowie auch einige Bürgerinnen und Bürger und ein Block der Gewerkschaft ver.di. Zu einem unschönen Zwischenfall kam es, als ca. zwanzig TeilnehmerInnen aus dem antideutschen Spektrum die Demonstration zu spalten und provozieren versuchten, indem sie israelische Nationalfahnen hochhielten. Auf die mehrmaligen Aufforderungen dies zu unterlassen, sowohl vom Lauti-Wagen, als auch aus der Demo heraus, reagierten diese nicht. Offensichtlich war dies eine gezielte Provokation dieser Demo, die bereits im Aufruf mit der Aufforderung keine Nationalfahnen mitzubringen, ihre antinationale Ausrichtung kund tat.
Letztlich blieb kein anderer Weg, als den entsprechenden TeilnehmerInnen ihren offensichtlichen Wunsch zu erfüllen und sie der Demo zu verweisen.Die Polizei instrumentalisierte den Zwischenfall, um die Demonstration eine Zeit lang aufzuhalten und die verwiesenen TeilnehmerInnen von der Demonstration zu trennen. Das entsprach der Einsatztaktik der Polizei, die verhindern wollte, dass die Antifa-Demo enden konnte, bevor die Nazis anfingen.Die lautstarke Demonstration zog weiter über den Boulevard gen Rathaus, wo einige Redebeiträge gehalten wurden. Hier spalteten sich nun auch einige AktivistInnen ab, um auf die Naziroute zu gelangen. Diese kamen ohne Probleme bis kurz vor die Route, wurden jedoch vor dem Ziel von Team Green aufgehalten, welches nicht nur hier sondern auch an allen anderen Stellen die Route hermetisch abgeriegelt hatte.Auf den letzten Metern filmten zwei Nazis die Demo ab. Auf Drängen der AntifaschistInnen wurden die Faschos von der Polizei entfernt. Am Kuhhirten, wenige 100 Meter vom Startpunkt, sowie vom Hauptbahnhof entfernt, löste sich die Versammlung auf. Kurz zuvor hatte sich der Naziaufmarsch mit ca. 150 TeilnehmerInnen vom Hauptbahnhof Richtung Ehrenfeld in Bewegung gesetzt.

Bereits während der Antifa-Demo gab es eine kleine Sitzblockade auf der Route der Nazis, die von unabhängigen AntifaschistInnen durchgeführt wurde. Die Blockade wurde kurz darauf von der Polizei aufgelöst.

Nach der Auflösung strömten die DemonstrantInnen Richtung Naziroute. Entgegen dem Einsatzkonzept von Polizeiführer Martin Jansen konnte an vielen Stellen der Naziroute ein lautstarker Protest in Ruf- und Sichtweite stattfinden. Besonders am Ende der Nazidemo in Bochum-Ehrenfeld konnten an die hundert AntifaschistInnen, sowie bürgerliche Kräfte und AnwohnerInnen des teilweise alternativ geprägten Stadtteils deutlich wahrnehmbar gegen die Nazis protestieren.

Weiterhin wurden vor, während und nach der Demonstation einige Nazis in physische Auseinandersetzungen mit Antifas verwickelt, aus denen sie als VerliererInnen hervorgingen.

Fazit:

Das Ziel den Naziaufmarsch zu verhindern, oder erheblich zu einzuschränken wurde an diesem Tag nicht erreicht. Allerdings war bereits im Vorfeld klar, dass dies kaum möglich werden würde. Die Konstitution der Antifa-Szene im Pott ist momentan so, dass effektive Verhinderungen nicht möglich sind. Es wurde ein Rahmen gesetzt, in dem viele Antifas in Bochum die Möglichkeit hatten sich an den Aktionen zu beteiligen und an die Naziroute heranzukommen. Mehr ging nicht. Dennoch würden wir den Ablauf des Tages als Fortschritt sehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Anti-Nazi-Protesten im Pott in den letzten zwei Jahren, ist es mal wieder gelungen ein Vielfaches an Antifas im Gegensatz zu den Nazis auf die Straße zu bringen und den Nazis mit Protesten an der Route, sowie mit handfesteren Methoden gehörig auf die Nerven zu gehen. Klar ist, dass die Effektivität von Anti-Nazi-Protesten noch viel weiter ausgebaut werden muss, dennoch ist es schonmal positiv zu bewerten, dass deutlich mehr möglich war, als zB am Antikriegstag in Dortmund. Für die Zukunft muss weiter an umfassenden Strukturen im Ruhrgebiet gearbeitet werden und dort wo es möglich ist, früh zu Gegenaktionen mobilisiert werden. Angesichts von fünf Wochen Mobilisierungszeit, konnte eine ziemlich große Anzahl an TeilnehmerInnen für die Demo gewonnen werden.

Beigetragen zum guten Verlauf des Tages hat auch die gut funktionierende Infostruktur, die über einen WAP-Ticker und ein Infotelefon lief.

Es kam am gesamten Tag zu sechs Fest- und Ingewahrsamnahmen auf Seiten von Antifa und Nazis. Alle festgehaltenen Antifas wurden am selben Tag wieder rausgelassen.

Vielen Dank nochmal an den EA Wuppertal für die gute Arbeit!

P.S.: Einen herzlichen Dank an den Bochumer Polizeipräsidenten Thomas Wenner für sein Kompliment, die Rechten stünden für das KZ, während die Linken fürs Gulag stünden.Wofür stehen Sie dann, Herr Wenner?

Pressespiegel:

Polizeipresse – Abschlussmeldung zu demonstrativen Aktionen
Ruhr-Nachrichten – Bochum: Live-Berichterstattung
Ruhr-Nachrichten – Kein Platz für Rechte
WAZ – Protest gegen NPD-Aufmarsch