Thompsons Nullnummer in Gelsenkirchen

Zu klein wäre die Konzerthalle im Bochumer RuhrCongress ausgefallen, angesichts der tausenden von Fans, die ein internationaler „Folkstar“, wie Marko „Thompson“ Perkovic an diesem Wochenende eigentlich anziehen sollte. Vorgeblich deshalb entschied sich Jadranka Celik-Skugor, Organisatorin des Konzerts in Bochum, das kroatisch-nationalistische Stelldichein kurzfristig nach Gelsenkirchen ins Amphitheater zu verlegen.

Zu klein sei die Konzerthalle im Bochumer RuhrCongress ausgefallen, angesichts der tausenden von Fans, die ein internationaler „Folkstar“ wie Marko „Thompson“ Perkovic an diesem Wochenende eigentlich anziehen sollte. Vorgeblich deshalb entschied sich Jadranka Celik-Skugor, Organisatorin des Konzerts in Bochum, das kroatisch-nationalistische Stelldichein kurzfristig nach Gelsenkirchen ins Amphitheater zu verlegen. Einen regelrechten Kampf um die Tickets malte sich die Organisatorin gewiss in ihren kühnsten Träumen nicht aus, sondern musste als schlechte PR dienen, um wenigstens noch einen Bruchteil der Fans von Bochum nach Gelsenkirchen umleiten zu können und die antifaschistische Intervention zu verschleiern. Denn gekommen waren gerade einmal 1000 von Alkohol und Heimatgefühlen besoffene Fans, wie sich auf den Erinnerungsfotos und -videos unschwer abschätzen lässt.

Dabei wurde nach Bekanntgabe der Konzertabsage durch die Bochumer Stadtspitze noch umso heißer diskutiert. Ja, das Thema Thompson schien die kroatische Community in NRW regelrecht zu polarisieren. Aber vielleicht sollte man die Internetforen nicht als Spiegelbild der realexistierenden Community betrachten. Neben einigen Hasstiraden gegen „DIE LINKE“ und „DIE ANTIFA“, attestierten sich nun alle aus Mangel an Argumenten gegenseitig einen Verrat von Volk und Vaterland. Denn ist Marko Perkovic wirklich mit Schwert, Harnisch und Thompson-Pistole in den Krieg gezogen, um jetzt den Hohn und Spott gegen seine äußerst ertragreichen Trash-Konzerte (29 Euronen für den Eintritt zur Schleyer-Halle in Stuttgart) ertragen zu müssen und als Hass-Sänger gebrandmarkt zu werden? Nicht fern liegt der Gedanke jedenfalls, dass Marko Perković, der im Kroatischen Krieg angefangen hat Lieder zu singen, mit ustascha-faschistischer Ikonographie und Metaphorik genau auch jene in der kroatischen Diaspora gezielt ansprechen will, die bisher nicht das Reflexionsvermögen zur „Bewältigung“ der kroatischen Vergangenheit zwischen 1941 und 1945 aufgebracht haben und sich lieber in der Kinderwiege der „Heimatverbundenheit“ durch- und ihr Geld aus den Taschen schütteln lassen wollen.
Doch am lautesten bellen immer nur solche Hunde, die getroffen wurden. So war sich beispielsweise Konzertorganisatorin Jadranka Celik-Skugor um ein tendenziell-antisemitisches Statement nicht zuschade, nur um den „guten Ruf“ von Perkovic in der Öffentlichkeit rein zu waschen: „Hass verbreiten andere: man wirft dem Künstler Faschismus vor, damit sich auch noch jüdische Gemeinden gegen ihn auflehnen.“
Womit sie wohl auf die Proteste anspielt, die im Vorfeld von Konzerten auf Thompsons Welttournee bisweilen auch durch jüdische Vertretungen in der Öffentlichkeit vorgebracht wurden. Frau Celik-Skugor scheint suggerieren zu wollen, dass Jüdische Gemeinden per se daran interessiert seien, sich in der Öffentlichkeit als Opfer zu inszenieren, nur um aufgrund „falscher Propaganda“ den öffentlichen Diskurs beeiflussen zu können.

Die vielen Statements u.a. auch aus den folkloristischen Liedzeilen aus dem Hause Thompson (am offensten rassistisch ist das Lied „Geni Kameni“ – „Gene aus Stein“) scheinen für Jadranka Celik-Skugor, ihrerseits auch Moderatorin beim „Hitradio FFH“ , nicht hinreichend als Belege zu gelten, um Perković als den Militaristen, Revanchisten, völkisch-christlichen Nationalisten und Faschistenverherrlicher anzuerkennen, der er ist. Welche anderen Umstände führen denn bitte schön sonst dazu, dass Thompsons „Familienfeste“ regelmäßig von Ustascha-UniformträgerInnen, Ante-Gotovina-Fans und ganzen Salven von Hitler- und Ustaschagrüßen heimgesucht werden? Erst am 30.5. wurden bei Thompsons Auftritt in Zagreb drei seiner Fans wegen Tragens volksvehetzender Symbole festgenommen. (/a>)

Am Fragwürdigesten an der Verlegung des Thompson-Konzerts von Bochum nach Gelsenkirchen ist für uns noch, warum die Stadt überhaupt keine Anstalten gemacht hat, das nationalistische Abgezappel im städtischen Amphitheater zu untersagen. Die Stadtoberen haben nämlich lediglich den Pächter dieser Anlagen um eine Auskunft darüber gebeten, ob das Konzert nun stattfinden würde oder nicht. Und das am Tag der Europawahlen? Ts,ts,ts…. eine großartige Sensibilität für demokratische Werte scheint die von der SPD angeführte Stadtspitze im Gegensatz zu ihren „engagierten“ GenossInnen in Bochum nicht zu besitzen.

Mit antifaschistischen Grüßen an unsere neuen „Fans“ in der kroatischen Commnity,
Antifašističke mladeži Bochuma
(Antifaschistische Jugend Bochum ;-)

kroatisch-sprachiger Radiobeitrag auf Funkhaus Europa:
http://www.funkhauseuropa.de/sendungen/radio_forum/beitraege/2009/06/thompson.phtml

Fotos vom Thompson-Konzert in Gelsenkirchen (7.7.09)
http://www.croatia-presse.de/THOMPSON.html

Diskussionen zur Konzertabsage in Bochum:
http://newsblog.kroistra.de/2009/05/06/thompson-konzert-in-bochum/

Videomitschnitt vom Konzert in Gelsenkirchen:
http://www.youtube.com/watch?v=k0dITDLgK40
http://www.youtube.com/watch?v=lFDGgK_IW-k
http://www.youtube.com/watch?v=TfQ4k1Qqnrg
http://www.youtube.com/watch?v=JyfK51I_q2A
http://www.youtube.com/watch?v=YO8QS4swKEk
http://www.youtube.com/watch?v=gE63JYl-KVI
http://www.youtube.com/watch?v=ii1xPUoEG9o

ältere Artikel:
http://ajb.blogsport.de/2009/05/28/gegen-die-verharmlosung-von-nazi-konzerten/

http://ajb.blogsport.de/2009/05/28/stellungnahme-der-antifaschistischen-jugend-bochum-zum-thompson-konzert-und-dem-bochumer-wahlzirkus-am-27052009/

http://linksunten.indymedia.org/de/node/7574