Kolbermoor: Kein Vergeben kein Vergessen

Heute vor 10 Jahren, am 30. September 1999, verstarb Carlos Fernando an den Folgen eines rassistisch motivierten Übergriffs. Der gebürtige Mosambikaner wurde am 15.08.09 von eine Rassisten in Kolbermoor (Oberbayern) aufgrund seiner Hautfarbe angegriffen und ins Koma geprügelt. In der oberbayerischen Kleinstadt wird das Problem des rassistischen Normalzustandes nicht versucht zu bekämpfen sondern versucht zu verschweigen.

- Der rassistische Mord-
Am 15.August 1999 greift ein Deutscher in Kolbermoor vor der „Cubana-Bar“ erst zwei Angolaner und einen Mosambikaner wegen einem zugeparkten Auto an, sie können jedoch fliehen. Wenig später verlässt Carlos Fernando die Bar und wird völlig unvermittelt von dem Rassisten angegriffen. Der Täter, Roman G. aus Kolbermoor, ist vorbestraft und der Polizei auch wegen eines fremdenfeindlichen Delikts bekannt. Er schlägt den 35-jährigen Mosambikaner mit einem Fausthieb nieder. Als das Opfer mit dem Kopf auf den Asphalt aufschlägt und regungslos liegen bleibt, tritt Roman G. ihm ins Gesicht. Carlos Fernando erleidet schwerste Gehirnverletzungen.
Er stirbt am 30. September 1999 im Krankenhaus. Der damals 31-jährige Täter gibt zu Protokoll, sein Opfer habe ihn gereizt, weil er ein »Neger« gewesen sei. Die „Nürnberger Nachrichten“ zitieren G. mit den Worten: „Die Drecksneger gehören alle totgeschlagen“.

-Trauriger Höhepunkt-
Der Mord an Carlos Fernando ist leider nur der traurige Höhe Punkt rechter Aktivitäten. 10 Jahre zuvor war Kolbermoor bundesweit in den Medien, als die rassitischen Republikaner 1999bei der Europawahl in Kolbermoor 29,1 Prozent der Stimmen erzielten. Dieser extrem rechte Wahlerfolg baut auf eine jahrelang vorherschende rassitische Hetze. Bereits 1986 sammelte Bürger_inneninitiative rund 2000 Unterschriften gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Kolbermoor. [1] Als 1992 eine Welle rassitischer Progrome in Deutschland gab (Rostock-Lichtenhagen etc.) kam es auch in Kolbermoor zu einem Sprengstoffanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft. Am 12.10.1992 zündeten zwei Kolbermoorer Neonazis eine Rohrbombe. [2] Auch nach dem rassistischen Mord hat sich in Kolbermoor wenig getan. Die NPD führe hier regelmäßig Stammtische und sogar Liederabende durch und die REPUBLIKANER sitzen nach wie vor in Fraktionsstärke im Stadtrat (Stadtratswahl 2008 10,8 Prozent). In Teilen der Bevölkerung werden die Republikaner inzwischen als fast normale Partei angesehen, sogar die Grüne Liste unterstützt in diesem Jahr die Republikaner im Stadtrat. [3]

- Erinnerung an Carlos Fernando-

„Auch 10 Jahre nach dem Mord erinnert am Tatort kein würdiges Denkmal an den rassistischen Mord“ kritisiert Michael Kurz von der infogruppe rosenheim. Nur eine auf dem Friedhof versteckte Tafel erinnert an Carlos Fernando, der rassistische Hintergrund der Tat wird auf dieser nicht erwähnt“ so Kurz weiter. Anlässlich des zehnten Todestages zeigt die infogruppe am So. 04.10.09 um 20:00 Uhr in der Rosenheimer Vetternwirtschaft der Dokumentarfilm Film „Das Leben des Carlos Fernando (Eintritt frei). Der Film von Samuel Schirmbeck entstand in der Reihe „Tödliche Begegnungen“ des Hessische Rundfunk (HR). Der Film erinnert an einen lebenslustigen, jungen Mann, der zunächst als „Mossi“, als Mosambikaner, in der DDR lebte, als Arbeiter in einem Reifenkombinat. Die Wende machte aus dem sozialistischen Bruder einen arbeitslosen Fremden. Er lernte noch die beiden Deutschlands kennen: die DDR und das wiedervereinte Deutschland. Carlos Fernando verwirklichte seinen Traum und zog an den Rand der bayerischen Alpen, wo er 1999 erschlagen wurde. Vorausgegangen war, dass die Ausländerbehörde ihn abschieben wollte, seine deutsche Frau Ramona ihn aber versteckte. Schließlich verließ er Neubrandenburg, trennte sich von seiner Frau und fand mit Tochter Tracy eine neue Heimat im scheinbar beschaulichen Kolbermoor in Oberbayern, die geliebten Berge in Sichtweite. Vor der „Cubana-Bar“ wurde er ermordet, von einem Rechtsradikalen, im Streit um ein zu geparktes Auto. Der Täter spielt in diesem Film, wie in der gesamten Reihe, nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein offenherziger Mann, dessen Leben durch einen Fausthieb ausgelöscht wurde.“ 2002 wurde die Sendereihe mit dem „Civis Medienpreis“ ausgezeichnet [4]. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion, oder einen weiteren Film, „Neue Braune Welle“ zu sehen. Die Reportage von Beate Frenkel und Winand Wernicke unterschiedlichen Aktionen, Strukturen, Akteure und Taten der Rechtsextremen in Bayern und Sachsen-Ahnhalt [5].

[1] vgl. http://aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3:rechte-in-rosenheim-und-umgebung&catid=83:hintergrund-sueddeutschland&Itemid=214

[2] vgl. http://www.redok.de/content/view/408/40/

[3] http://de.indymedia.org/2009/02/242652.shtml

[4] in der Jurybegründung heißt es: „In qualitativ herausragender Weise erhalten Opfer rechtsradikaler Übergriffe einen Namen. Die Reihe lässt den Menschen aus der Anonymität einer knappen Agenturmeldung heraustreten und macht aus der Opferstatistik ein Individuum. Das eindrückliche, individuelle und interessante Leben des einzelnen Menschen wird nachgezeichnet, er wird für die Zuschauer „lebendig“ und interessant auch wenn er „nur“ eine Randposition innerhalb der Gesellschaft hatte. Die Filme entwickeln Sogwirkung: Je länger man zusieht, desto mehr möchte man erfahren von dem Menschen, der hinter dem Begriff „Opfer“ steht. Hervorzuheben ist vor allem auch die akribische Recherchearbeit, die hinter den lebendigen Porträts der drei Menschen steht .Die Beiträge sind filmisch gut und handwerklich aufwendig gemacht. Gut montierte Bilder und Montagen, die vordergründig gar nichts mit dem Leben des „Opfers“ zu tun haben, stellen subtil einen Bezug zu den Porträtierten her. Die Jury zeichnet mit dem Sonderpreis die filmischen Leistungen aus aber auch die gelungene redaktionelle Planung…“

[5] Der Film legt dabei ein besondere Fokus auf rechtsextremen Aktionen und Propaganda die ganz gezielt auf Jugendliche zielen. Aussteiger aus der rechten Szene schildern dabei, wie sie als Jugendliche sich im braunen Netz verfiengen und abgeschreckt durch ihre Gewalt unter großen Schwierigkeiten ausstiegen. Kommentiert wird das ganze durch Heinz Fromm, dem Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Britta Schellenberg vom Centrum für angewandte Politikforschung München und Giovanni di Lorenzo von der Zeit und Netz gegen Nazis.
Dabei wird auch auf die unterschiedlichen Aktionen, Strukturen, Akteure und Taten der Rechtsextremen in Bayern und Sachsen-Ahnhalt eingegangen, dabei wird auch das Vorgehen beispielsweise der Polizei, Politik und Justiz ungewöhnlich kritisch hinterfragt.
So wird deutlich gezeigt,wie trotz immer stärkerer Gewaltbereitschaft der Neonazis Justiz und Polizei den Nazis auf Demonstrationen entgegenkommt und sich dabei häufig gegen angebrachten antifaschistischen Protest wendet.

Quelle: Indymedia