Mörder von Carlos Palomino verurteilt

Wie vor einer Woche die spanische Seite LaHaine berichtete, teilte der Anwalt der Familie des ermordeten Antifaschisten Carlos Palomino mit, dass sein Mörder, der Berufssoldat Josué Estebanez de la Hija, zu 26 Jahren Haft verurteilt wurde.

Carlos wurde am 11. November 2007 auf dem Weg zu einer Demonstration gegen den Aufmarsch der rechtsradikalen Partei Democracia Nacional von einem Nazi, der sich auf dem Weg zu eben jener Demo befand, mit einem Stich ins Herz in der U-Bahn ermordet.(http://www.elpais.com/videos/espana/Huida/grabacion/muerte/video/largo/elpvid/20090510elpepunac_2/Ves/)
Wie bereits berichtet, fand zwischen dem 14. und 22. September der Prozess gegen den Mörder statt (http://ajb.blogsport.de/2009/09/29/ani-olvido-ni-perdan-kein-vergessen-kein-vergeben/). Nun gab der Anwalt der Familie, Erlantz Ibarrondo, gestern bekannt, dass das Madrider Amtsgericht den Neonazi zu 26 Jahren Haft verurteilt hat: 19 Jahre aufgrund des schwerwiegenden ideologisch motivierten Mordes und 7 Jahre für die versuchte Tötung eines weiteren Antifaschisten.
Jedoch berücksichtigten die Richter weder die Tatsache, dass Josué zur Tatzeit ein militärspezifisches Messer und weitere illegale Waffen bei sich trug, noch die Drohungen von Seiten des Angeklagten an die Jugendlichen, die seinem Weltbild nicht entsprachen.

Der Anwalt bezeichnete die Verurteilung des Mörders als „mäßig positiv“. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Höchststrafe von 30 Jahren Haft.

Während des Prozesses wurden in Spanien viele faschistische Übergriffe verzeichnet. So wurde am 12. September auf einem Messegelände in Alcarcón eine Gruppe Antifaschisten von Nazis mit Knüppeln und einer Pistole angegriffen. Vier Tage später greifen im Madrider Stadtteil La Cabrera „5 betrunkene Jugendliche“ einen Arbeiter an, weil er Rumäne ist. Als Höhepunkt der Misere wird am 18. September in Majadahonda ein Jugendlicher von Neonazis erstochen.
Auch in Deutschland stößt der Prozess auf Reaktionen von Rechts: Das Syndikat-Z aus dem Zentropa-Netzwerk solidarisiert sich mit dem Mörder von Carlos und wertet den Mord auf, indem es die Tatsachen verdreht und behauptet, der Angriff Josués sei Notwehr gewesen. So fand auch gestern in Chemnitz eine Spontandemonstration von Neonazis statt, die Freiheit für ihren „spanischen Genossen“ forderten.

Trotz der Verdrehung der Tatsachen von den Revisionisten ist der Sachverhalt des Tatvorganges klar: hier wurde ein 16-jähriger Antifaschist ermordet, weil er gegen die rechte Hetze der Falangisten auf die Straße gehen wollte. Der Mordfall ist ein weiteres Beispiel für das Weltverständnis der vermeintlichen „sozialen“ Nationalisten: Wer ihnen nicht passt, wird schlichtweg ermordet, erstochen oder weggesperrt.

Wir wollen den FreundInnen und der Familie von Carlos die größtmögliche Solidarität zukommen lassen. Ihr seid nicht allein.
Kein Vergeben, kein Vergessen! – ¡Ni olvido ni perdón!

Antifaschistische Jugend Bochum

Quellen:
http://www.lahaine.org/index.php?p=40756
http://www.lahaine.org/index.php?p=40254