NPD Mahnwache in Bochumer Innenstadt

Gestern am Samstag den 05.06.2010 hielt die NPD Bochum/Wattnescheid mit Unterstützung aus Recklinghausen und Essen in der Bochumer Innenstadt eine Mahnwache unter dem Titel „Gegen den israelischen Terror“ ab. Diese befand sich am Dr. Ruhr-Platz, wenige Meter entfernt von der Gedenktafel an die Bochumer Synagoge, die in der Reichspogromnacht niederbrannte.

Die Innenstadt voll mit Bullen und 6 Nazihansel

Gegen 14:00Uhr baute die NPD unter Leitung von Markus Schumacher ihre Mahnwache auf.
Schumacher war Anmelder und Kooperationpartner der Bochumer Polizei.
Die Mahnwache bestand aus sechs Nazis, drei Fahnen, einem Transparent und 3 Redebeiträgen.
Bis ca. 14:20 konnten die Nazis ungestört ihre Mahnwache abhalten. Zu den Nazis gehörten wie gewohnt Andre Zimmer, der Jugendbeauftragte der NPD Bochum/Wattenscheid und NSBO-Aktivist, und sein Vorbild Markus Schumacher aus Bochum, der ebenfalls bei der NPD aktiv und Mitglied der NSBO ist. Weitere Unterstützung erhielten sie von Miguel Becker von der JN/NPD aus Essen, der vor wenigen Tagen in Essen Borbeck geoutet wurde, wahrscheinlich zwei Nazis aus Recklinghausen, die bereits bei dem letzten NPD Infostand in der Bochumer Innenstadt am 8. Mai anwesend waren und einem unbekannten Nazi.

Keine Sympathien für die NPD

Die PassantInnen hatten zwar keine Sympathien mit der NPD und gingen größtenteils angeekelt weiter, jedoch kam es zu keinen spontanen Protestaktionen. So konnte Markus Schumacher leider die erste Rede ungestört halten. Kurz nachdem er seine Rede beendet hatte und Andre Zimmer dabei war seine zu halten, trafen die ersten AntifaschistInnen mit Transparenten ein und begannen die Redebeiträge zu stören und lautstark antifaschistische Parolen zu rufen. Nachdem die ca. 10-15AntifaschistInnen eingetroffen waren, blieben auch die ersten BürgerInnen stehen, um ihren Unmut bezüglich der Nazis kund zu tun. Da nun auch ein Zugang zu der Mahnwache aufgrund der Transparente versperrt war und die Polizei wohl aus Sicherheitsgründen gleich den Zugang von der anderen Seite mitabsperrte, wurden die größtenteils auf Grund des Polizeiaufgebots abgeschreckten PassantInnen auf einen kleinen Umweg geschickt.

Deutsche kauft deutsche Bananen!
Mensch konnte relativ gut erkennen, dass die anwesenden Nazis von dem Auftreten der AntifaschistInnen sichtlich eingeschüchtert waren und mit lächerlichem Lachen versuchten ihr Unbehagen herunter zu spielen. Eine sehr amüsante Protestaktion führte ein Passant durch, der sich vor die Mahnwache legte. Zunächst einmal dirigierte er die anwesenden Nazis, dass sie doch das Transparent strammer halten sollten. Dies taten die hörigen Nationalisten auch zugleich.
Als die Konzentration nachließ und sie es wagten, das Transparent wieder schlaffer zu halten, befahl der Protestler in einem schroffen Ton, dass sie sofort das Transparent gerade halten sollten.
Als sie dies nicht mehr taten, da die anwesenden AntifaschistInnen sie für ihre Hörigkeit zuvor ausgelacht haben, begann die auf dem Boden liegende Person den Nazis eine Standpauke zu halten.
„Was seid ihr nur für Deutsche“ und „wenn das der Führer wüsste“ gröhlte er sie nun an.
Die PolizistInnen der 1.BPH aus Bochum verstanden keinen Spaß und drängten den Menschen wieder zu den anderen Protestiereden. Hierauf schrie er nur noch „Deutsche kauft deutsche Bananen!“

Flucht durch die Innenstadt
Nach dieser schönen und spontanen Protestaktion, die nochmal die Stimmung auf Seiten der AntifaschistInnen hob, die bei 25° C und blauem Himmel wohl lieber andere Dinge gemacht hätten, versuchte sich Markus Schumacher darin eine weitere Rede zu halten. Diese ging jedoch im Gegensatz zum ersten Mal in „Halt die Fresse“-Rufen der Gegenprotestanten unter. Kurz darauf baute die NPD ab. Das heißt, sie rollten ihre drei Fahnen ein und falteten ihr Transparent zusammen. Daraufhin begann die Wanderung zu ihrem Auto. Aufgrund der in der Innenstadt anwessenden Antifas wollten die Nazis nicht auf direktem Weg zu ihrem Auto laufen. Somit liefen sie mit Polizeibegleitung einen ziemlich großen Umweg durch die Innenstadt. Nach und nach wurden sie von Antifas verfolgt, was sie jedoch nicht abhalten konnte in ihren weißen Opel Corsa (RE:SI 342) zu steigen. Der Rückweg, der normalerweise 5 Minuten gedauert hätte, wurde somit auf ca. 30 Minuten verlängert. Als die Nazis an ihrem Wagen, der sich auf dem Parkplatz der Hauptpost an der Wittenerstr befand, eingetroffen waren, sperrte die Polizei den Parkplatz für „alternativ aussehende Personen“ ab, die sehr alternativ gekleideten Zivilpolizisten konnten natürlich den Parkplatz betreten.

6 Nazis in einem Corsa und ein engagierter Bürger
Als die AntifaschistInnen die Polizeibeamten darauf aufmerksam machten, dass die Nazis zu 6. in einen Kleinwagen steigen, der bestimmt keine 4 Anschnallgurte auf dem Rücksitz hat, reagierten diese in einer pampigen Abwehrhaltung. Dem ältesten Polizisten war es sichtlich unangenehm , was er versuchte mit einer coolen Haltung zu überspielen. Daraufhin ging er zum Einsatzfahrzeug und fragte seinen Einsatzleiter Herrn Langhans, ob dies auch so gewollt sei, dass 6 Nazis in einem Kleinwagen sitzen. Herr Langhans gab seinen Segen und die Nazis konnten losfahren. Naja wat solls! Da an den Beispielen Ian Stuart und Jörg Haider bekannt ist, dass Nazis nicht Autofahren können, können wir uns aus antifaschistischer Sicht auch nicht beklagen. 6 Nazis auf einen Streich! Da die Wahrscheinlichkeit doch eher gering war, dass sie nun mit 6 Leuten gegen einen Baum fahren, rief ein engagierter Bürger spontan die Polizei.
Er beklagte sich darüber, dass ein Kleinwagen mit 6 Insassen durch die Innenstadt fährt. Das sei doch gefährlich und eine Ordnungwidrigkeit. Der Beamte auf der anderen Seite bedankte sich ausdrücklich, dass die Person eine solche Unverschämtheit melden würde und freute sich, dass es noch solch engagierte BürgerInnen gibt. Er würde sich das Kennzeichen notieren und zur Fahndung herausgeben. Was sich die nicht so engagierten PolizistInnen wohl dachten, als sie in ihrem Fahrzeug auf dem Weg zur Wache den Funkspruch über den vollbesetzen Wagen hörten?

Punktgewinn für die Antifa
Alles in allem kann mensch behaupten, dass die Nazis erfolgreich gestört wurden. Die Redebeiträge der Nazis waren bis auf den Ersten nicht zu hören und aufgrund der Transparente war es niemanden mehr möglich direkt an den Nazis vorbei zu gehen. Für Lacher an dem Tag sorgte ein Bürger, der die Nazis verarschte und lächerlich machte. Kritisieren kann mensch, dass die Nazis zu wenig antifaschistische Begleitung auf dem Rückweg hatten. Dies hätte vielleicht besser klappen können. Jedoch darf mensch nicht vergessen, dass alles spontan ablief und die Kommunikation an solchen Aktionen nicht all zu ausgereift ist.

Was geht sonst so?

Nachdem sich am 20.05. die Kreisvorsitzenden der NPD Dortmund(Axel Thieme) , Essen(Marcel Haliti) und Bochum(Claus Cremer) im Bürgerbüro der Bochumer NPD getroffen haben, um über die nationlae Achse Dortmund-Bochum-Essen zu plaudern und gemeinsame Aktionen gegen die Islamisierung der Städte ankündigten, kann mensch sagen, dass mit der gestrigen Mahnwache ein erster Schritt, auch wenn dieser klein war, bezüglich aktiver Vernetzung begangen wurde.
Claus Cremer der sich am gestrigen Samstag laut seines Twitters auf dem NPD-Parteitag in Bamberg aufhielt, war nachdem er nach dem Wahlkampf von den Kameraden des Koordinationsnetzes Ruhr-Mitte (ehemalige AG-Ruhr-Mitte) kritisiert wurde, in den letzten Tagen nicht nur im Bochumer Stadtrat mit irgendwelchen Anfragen aktiv, sondern auch bei Saalveranstaltungen in Essen und Esslingen. Weiterhin klagte er vor dem VG in Gelsenkirchen gegen die Auflagen, die ihm bei der Demonstration am 25.10.2008 in Bochum auferlegt wurden.
Zusätzlich durfte er auf einer Regionaltagung der NPD-Verbände im Bezirk Arnsberg nicht fehlen.


Und NSBO?

Von der NSBO gab es in letzter Zeit eher wenig zu hören. Sie behaupteten auf ihrem nicht mehr existierenden Twitter, dass 33 Mitglieder sich zur NSBO zählen würden. Wie diese Nachricht zu bewerten ist, kann man ehrlich gesagt nicht sagen. Auf sich aufmerksam machten Andre Zimmer und Markus Schumacher nur, als NSBO Schmierereien auf dem Wahlkampffahrzeug von Serdar Yüksel (SPD Bochum, MDL) auftauchten und die Bochumer Jusos eine Meldung dazu verfassten. Es soll auch zu Flugblatt-Verteilaktionen der NSBO gekommen sein, wo sie das Flugblatt „Antifaschisten haben Namen und Adressen“ verteilt haben sollen.

Fazit
Letzten Endes kann mensch behaupten, dass der gestrige Tag ein Punktgewinn für die Antifas war. Zu Loben ist, dass relativ viele Leute nachdem die Nachricht gestreut wurde, sich sammelten um die Nazis zu stören. Transparente wurden zügig organisiert und der Stand einseitig mit ihnen abgesperrt. Da wir in nächster Zeit aufgrund der Vernetzungsversuche der Nazis im Ruhrgebiet auf weitere Aktionen von dieser Seite eingestellt sein sollten, bleibt zu hoffen, dass es dann auch wieder so gut funktionieren wird.

Sommer, Sonne, Antifa!
Kein Fußbreit den Faschisten!

Antifaschistische Jugend Bochum

Bilder:
Indymedia Linksunten


Antifa-Report zu den Wahlkämpfen in Bochum 2009:

http://ajb.blogsport.de/2009/10/10/antifa-report-zu-den-wahlkaempfen-2009-in-bochum/

Störaktionen gegen die Bochumer NPD im Wahlkampf 2009:

http://de.indymedia.org/2008/07/223654.shtml
http://ajb.blogsport.de/2009/03/08/bochum-73-npd-musste-fruehzeitig-nach-hause/
http://de.indymedia.org/2009/05/250077.shtml
http://de.indymedia.org/2009/05/250561.shtml
http://de.indymedia.org/2009/07/256444.shtml
http://de.indymedia.org/2009/07/257237.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/9962
http://de.indymedia.org/2009/08/259369.shtml
http://de.indymedia.org/2009/09/259668.shtml

NPD im Bochumer Stadtrat:

http://ajb.blogsport.de/2009/11/08/antifaschistisch-gegen-den-einzug-der-npd-in-das-stadtparlament/

NPD sucht Räumlichkeiten:
http://ajb.blogsport.de/2009/09/09/pressemitteilung-npd-bochumwattenscheid-sucht-nach-raeumlichkeiten-fuer-ein-buergerbuero/

NPD eröffnet Büro in der Bochumer Innenstadt:
http://ajb.blogsport.de/2009/12/28/nachtrag-npd-buero-in-bochumer-innenstadt-eroeffnet/

NPD Stand gestört 8.Mai 2010:
http://linksunten.indymedia.org/en/node/20190

Andre Zimmer Outing:
https://linksunten.indymedia.org/de/node/14719

Markus Schumacher Outing:

http://linksunten.indymedia.org/de/node/11580

NSBO-Aktivitäten in Altenbochum:
http://linksunten.indymedia.org/de/node/19721

Älteres zu Markus Schumacher:

http://de.indymedia.org/2006/05/148217.shtml
http://de.indymedia.org/2005/11/132444.shtml
http://braunraus.blogspot.com/2007/07/29.html
http://de.indymedia.org/2008/05/217178.shtml

http://de.indymedia.org/2009/09/262160.shtml
http://de.indymedia.org/2009/08/259369.shtml

Miguel Becker Outing in Essen Borbeck:
http://de.indymedia.org/2010/05/282373.shtml