BO: Mehrere Soldatendenkmäler umgestaltet

Auf Indymedia Linksunten wird von Frau Holle berichtet, dass es in den vergangen Wochen zu „Umgestaltungen“ einiger Kriegsdenkmäler in Bochum gekommen ist. Unteranderem hat die Soldatenstatue in Langendreer ihren Kopf verloren. Wir dokumentieren hiermit den Artikel:

Während der letzten Woche wurden in Bochum mehrere Soldatendenkmäler verschönert. Dabei wurden mindestens fünf von insgesamt 35 Kriegsdenkmälern in ganz Bochum auf Trab gebracht: vier Denkmäler (der Löwe an der Königsallee im gehobenen Stadtteil Ehrenfeld, das Denkmal an der Markstraße und das an der Wasserstraße und in Wattenscheid) wurden farblich umgestaltet und das Soldatendenkmal in Bochum-Langendreer wurde entköpft. Letztes Jahr noch mit einer roten Farbspur am Kopf, ist es dieses Jahr den Schädel gleich losgeworden. Womöglich hatten es manche Einwohner_Innen einfach satt, tagtäglich den Spruch „Einst kommt der Tag, da alle Welt Euren Ruhm verkünden wird!“, angelehnt an den deutschen Kriegszug zwischen 1914-1918, vor der Haustür zu haben.

Denn neben Denkmälern, die Kriege auf diese Weise verherrlichen, sind auch Denkmäler aus der Zeit des Dritten Reiches u.a. auf der Bochumer Hauptstraße zu sehen. Diese gedenken den Soldaten, die für ihren „Führer“ gekämpft haben und an der Front gestorben sind. Dass dies im Zusammenhang mit dem Nazi-Regime und der Vernichtung von Millionen von Menschen aufgrund ihres Äußeren, ihrer Herkunft oder ihrer Religion im Namen der „arischen“, deutschen „Rasse“ geschehen ist, scheint manch ein_e Bürger_In zu vergessen. So wird Jahr aus Jahr ein der Volkstrauertag kollektiv gefeiert und die Täter-Opfer Verhältnisse verdreht. Das, was im Februar z.B. in Dresden im großen Rahmen passiert und Einige sich aufgrund der Bombardierung von Dresden unreflektiert als Opfer darstellen, darf am 14. November im kleinen Rahmen auch vor der eigenen Haustür passieren. Dass dabei immer noch der Satz „Soldaten sind Mörder“ gilt und wer die tatsächlichen Opfer von Kriegen sind, wird des öfteren vergessen.

So nutzt auch die örtliche NPD jährlich die Gelegenheit, um auf sich an diesem Tag aufmerksam zu machen. 2008 noch vor dem mit Farbe verziertem Kriegsdenkmal in Wattenscheid, welches dann auf die Anfrage der rechtsradikalen Partei vom Ordnungsamt der Stadt gereinigt worden ist (dieses Jahr übrigens dasselbe Verfahren), versammelten sich die Nazis im vergangenen Jahr in Langendreer: das mit roter Farbe am Kopf bedecktes Soldatendenkmal wurde im Vorfeld vom NPD-Landesvorsitzenden Claus Cremer, dem Dortmunder Kollegen Axel Thieme und anderen Kameraden eigenhändig geputzt, als dann 5 Tage darauf eine „Mahnwache“ davor durchgeführt worden ist.

Auch dieses Jahr fanden sich die Rechten in Wattenscheid ein: mit ca. 15-20 Nazis „gedachte“ man gen gestern Abend den im Krieg gefallenen Soldaten. Neben Cremer, Thieme und Haliti, der den letzten Wehrmachtsbericht vom 9. Mai 1945 verlas, sprach ein ehemaliges Mitglied der frühereren Nazi-Terrorgruppe „Volkswille“. Dabei handelt es sich eventuell um Marc Meier zu Hartum, der einen eigenen Verlag in Bochum betreibt. Bevor antifaschistischer Protest eintreffen konnte, beendeten die Nazis ihre Kundgebung. Wie man beobachten konnte, hatten sie jedoch Probleme beim Verlassen des Ortes, denn die Reifen an ihren Autos hatten wohl einen kleinen Schaden erlitten.

Im Übrigen war Bochum nicht die einzige Stadt, dessen Einwohner_Innen die „Gedenkkultur“ ihrer Mitmenschen kritisierten. In 10 anderen Orten des Ruhrgebiets wurden Kriegsdenkmäler mit Farbe und mit Parolen verziert. (http://de.indymedia.org/2010/11/294384.shtml) Dies, so die Autor_Innen des Beitrages, soll ein erster praktischer Anlauf zu einer folgenden Kampagne gegen Soldatendenkmäler sein.

Weiterführende Links:
http://de.indymedia.org/2009/10/262599.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/12545
http://de.indymedia.org/2008/02/208932.shtml
http://linksunten.indymedia.org/de/node/28625

Quelle: Indymedia Linksunten