Erneuter Nazi-Angriff in Dortmund

„Dortmunder Antifa Bündnis“ ruft zur Demonstration am kommenden Samstag (18.12.) um 18 Uhr auf!
Sven KahlinIn unserer Nachbarstadt Dortmund hat es am vergangenen Wochenende wieder einen brutalen Übergriff auf die links-alternative Kneipe ‚Hirsch-Q‘ gegeben. Ca. 10 – 15 Nazis aus dem Umfeld der „Skinheadfront Dortmund Dorstfeld“ attackierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Ladenlokal und drangen in dieses ein. Im Verlauf des Angriffs schlugen und traten die Rechten massiv auf die Gäste der Kneipe ein, bis diese die Nazis aus dem Lokal drängen konnten. Daraufhin entwickelte sich vor der ‚Hirsch-Q‘ eine heftige Auseinandersetzung, in welcher die Nazis mit Reizgas, Stühlen, Flaschen und einem Messer auf die Lokalbesucher losgingen und auch am Boden liegende fortwährend attackierten. Dabei wurden einer Person 2 Stichwunden im Hüftbereich zufgefügt, sowie eine weitere Person an den Extremitäten mit Schnittverletzungen verwundeten; Mindestens 2 weitere Personen erlitten Prellungen und Platzwunden. Alle 4 wurden notärztlich behandelt und mussten anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Viele weitere wurden durch das verwendete Reizgas verletzt und von den anschließend vor Ort eintreffenden Rettungssanitätern versorgt.

Die benachrichtigte Polizei nahm kurz nach dem Angriff im umliegenden Innestadtbereich 10 Nazis in Gewahrsam, einer wurde noch vor Ort bis zum Eintreffen der Cops festgehalten.

Unter den festgesetzten Faschisten befand sich auch Sven Kahlin. Das Mitglied der „Skinheadfront“ ermordete vor 5 Jahren in Dortmund den
Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz mit einem Messer und ist erst am 1. Oktober diesen Jahres aus der Jugendhaft entlassen worden.
Nach Informationen, die dem Medienportal „DerWesten“ vorliegen, wurde dem Mörder bei seiner Festnahme vergangenen Sonntag ein Messer abgenommen. Ob er für die Stich- und Schnittverletzungen der Kneipengäste verantwortlich ist, wird aktuell von der Oberstaatsanwaltschaft Dortmund geprüft. Da Kahlin auf Bewährung vorzeitig entlassen wurde, steht ihm nun ein erneuter Haftantritt bevor,
wenn er für den Angriff am Wochenende in einem folgenden Verfahren verurteilt wird.

Sein politischer Zusammenhang, die „Skinheadfront Dortmund Dorstfeld“, hat sich schon in der Vergangenheit durch brutale Angriffe auf
AntifaschistInnen bemerkbar gemacht. So überfielen Neonazis der Kameradschaft unter anderem Anfang 2009 auf einem Rastplatz bei Chemnitz eine Gruppe AntifaschistInnen, die auf der Rückreise von den Protesten gegen den alljährlichen Naziaufmarsch in Dresden waren und verletzten mehrere Personen. Am Nazi-Angriff auf die DGB-Kundgebung am 1.Mai ’09 beteiligten sich ebenfalls Teile der „Skinheadfront“ und weitere Rechte aus dem näheren Umfeld der Kameradschaft.

Im Gegensatz zu anderen Regionen der BRD, in denen zwischen Nazi-Skins und sog. „Autonomen“ Nationalisten („AN’s“) oft harte Konflikte bestehen, existiert in Dortmund reger Austausch unter den Nazi-“Subkulturen“. Der an dem jüngsten Angriff beteiligte Mörder Sven Kahlin sprach am 23. Oktober diesen Jahres auf einer Demonstration in Hamm. Die Demonstration wurde aus dem Spektrum der sog. „Autonomen“ Nationalisten organisiert. Weiterhin ist die Dorstfelder Kameradschaft regelmäßiger Teilnehmer auf Aktionen des „Nationalen Widerstands Dortmund“, den vor Ort agierenden „AN’s“.

Nun scheint es so, dass sich die „Skinheadfront“ entgültig in den Dortmunder Nazihabitus des geplanten Terrors gegen Linke integrieren möchte – seinen Platz an der Seite des NW-Dortmund sucht – in dem sie die schon nahezu ritualisierten Übergriffe auf die „Hirsch-Q“
weiterführt. Die Anzahl der Angriffe auf die alternative Kneipe beläuft sich seit 2006 auf knapp 15. Doch bis zu diesem Wochenende sind die
organisierten Übergriffe eben fast nur aus dem Spektrum der „Autonomen“ Nationalisten gekommen. Dass nun ebenfalls die neonazistische „Skinheadfront“ dieses „Brauchtum“ übernimmt ist besorgniserregend und mahnt uns erneut, der Naziszene in Dortmund, auch als „Außenstehende“, Einhalt zu gebieten.

Wir wünschen den Verletzten gute Besserung und forden, sich solidarisch mit Opfern von Nazigewalt zu zeigen. Für Samstag, den 18. Dezember ruft das Dortmunder Antifa Bündnis zu einer Demonstration um 18 Uhr auf.