Naziaktivitäten in Bochum (Stand Januar 2011)

Die Bochumer Nazis lehnen sich aktuell ein bisschen weiter aus dem Fenster. Sie gehen mit Gaspistolen spazieren, versuchen ihre Schule anzuzünden, outen Antifas, und planen Überfälle. Zuletzt wurde in der Silvesternacht eine, von den Nazis als „links“ identifizierte, Person schwer zusammengeschlagen. Wir möchten mit diesem Text einen aktuellen Stand der Naziaktivitäten in Bochum dokumentieren.
Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass dieser Beitrag die komplette Situation in Bochum wiederspiegelt. Wir gehen auch nicht davon aus, dass wir die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben und alles hundertprozentig so stimmt wie wir es wiedergeben. Falls sich Fehler eingeschlichen haben sollten oder es weitere Informatinen zu den im Artikel genannten Umständen gibt, freuen wir uns darüber, wenn diese korrigiert oder ergänzt werden würden. In diesem Artikel wird es hauptsächlich um Naziaktivitäten im Bochumer Stadtgebiet gehen. Zu Beginn werden wir eine kleine Auflistung der im vergangen Jahr bekannten Sachverhalte wiedergeben, bevor wir über die neusten Absichten der Bochumer Nazis berichten. Hierbei werden wir auf die Schändung des jüdischen Friedhofs, Waffenbesitz, von Nazis durchgeführte Outingaktionen und Brandstiftung eingehen.

Nach dem Wahlkampf sind die Nazis immer noch da

Nachdem die erste Hälfte des Jahres 2010 größtenteils den Parteien um NPD, Pro NRW, Republikanern und teilweise auch der DVU gewidmet war, haben wir uns gedacht, dass nun ein wenig Ruhe einkehren würde und mensch den Sommer genießen könnte. Dies war jedoch nicht der Fall. Nachdem wir den Wahlkampf aus antifaschistischer Sicht mit dem Wahlkampf Report 2010 abgeschlossen hatten, ging es direkt weiter mit antifaschistischen Bestrebungen in Bochum. Es wurde in Altenbochum Stadtteilarbeit betrieben in dem mal wieder über die Naziaktivitäten von Markus Schumacher,Kreisvorstandsmitglied der Bochumer Npd und Mitglied der NSBO, und André Zimmer, Jugenbeauftragter der NPD und ebenfalls Mitglied des „autonomen“ Abklatsch NSBO, informiert wurde. Hierzu verteilten AntifaschistInnen mehrere hundert Flugblätter im Stadtteil.

Weiter ging es am 05.06., als die NPD Jugend aus Bochum mit Hilfe des JN-Aktivisten Miguel Becker aus Essen eine Mahnwache mit 6 beteiligten Nazis gegen den „israelischen Terror“ in der Bochumer Innenstadt durchführten. Hier konnte spontaner Protest auf die Beine gestellt und den Nazis deutlicht gemacht werden, dass mensch ihnen auch spontan ans Bein pissen kann.
Ca. 10 Tage später führte die NPD-NRW und die NPD Bochum/Wattenscheid eine Kundgebung in der Wattenscheider Innenstadt durch. Grund dafür war, dass der NPD Landesvorsitzende Claus Cremer, der ebenfalls im Bundesvorstand der NPD sitzt, nach einem Deutschlandspiel einen Krankenhausbesuch in Kauf nehmen musste. Der Titel der Kundgebung lautete „Antifaschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“. Auch hier wurde innerhalb von zwei Tagen ein kleiner aber feiner Gegenprotest mit einer Spontandemonstration durch Wattenscheid-City organisiert. Auch wenn hier die Teilnehmerzahl relativ gering war, konnten Gegeninformationen gestreut und die NPD Kundgebung mit Hilfe von Vuvuzelas und co. gestört werden.

Ende Juni wurde dann für kurze Zeit ein Schwerpunkt auf Langendreer gesetzt, wobei beachtet werden muss, dass die Zustände in diesem Stadtteil aus antifaschistischer Sicht immer noch mangelhaft sind. In Langendreer gibt es seit längerer Zeit schon in Aktivitäten in Verbindung mit Nazis, die Kontakte zu den örtlichen NPD Kreisen haben, jedoch eher den „freien Kräften“ zuzuordnen sind. Dazu kommt nocht, dass es eine Clique bestehend aus 15-19 jährigen gibt, die die örtlichen Schulen besuchen und ebenfalls rechte Propaganda betreiben. Daher ist es enorm wichtig, dass in nächster Zeit verstärkt Langendreer unter die Lupe genommen wird. Ganz frei von antifaschistischen Aktionen ist Langendreer jedoch nicht geblieben. Es gab eine Flugblattaktion der Antifaschistischen Jugend Bochum zu den Zuständen in Langendreer, als auch wenige Wochen später eine Aktion des Polit-Cafés Azzoncao zur selbigen Thematik.

Naziprozesse in Bochum
Im vergangenen Jahr gab es auch zahlreiche Prozesse vor dem Bochumer Landgericht, bei denen rechtsradikale AkteurInnen oder eben solche Taten (Verwendung von NS-Kennzeichen, Volksverhetzung, etc.) verhandelt wurden. In den meisten Fällen handelte es sich um Jugendliche, Besoffene oder sonstige Spinner, die den Hitlergruß zeigten oder Äußerungen tätigten, die in den Bereich der Volksverhetzung fallen. Darüberhinaus gab es drei ziemlich interessante Verfahren im letzten Jahr. Im Frühjahr wurde ein Fall verhandelt, bei dem Leute aus dem Spektrum der im letzten Jahr aufgelösten Aktionsgruppe Ruhr-Mitte, die zwei Jahre zuvor eine Gruppe von Jugendlichen in Dahlhausen an den Ruhrwiesen angegriffen haben sollen. Hierbei muss leider erwähnt werden, dass AntifaschistInnen bei diesem Fall leider nicht in der Lage waren dem Prozess beizuwohnen. Es ist nur bekannt, dass die TäterInnen größtenteils aus Essen und Gelsenkirchen stammten. Der zweite Prozess der von größerem Interesse war, war der Prozess gegen Markus Pohl, der wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Der dritte Prozess, der sogar in einem kleinen medialen Rampenlicht stand, war der Prozess gegen Thomas „Steiner“ Wulff. Dieser lief von August bis November und endete mit einem Freispruch für Wulff.

Antikriegstag und die Auswirkungen auf Bochum
Ende August und Anfang September ging es im Ruhgebiet mal wieder nur um den Antikriegstag in Dortmund. Mensch muss jedoch sagen, dass dieser Antikriegstags Rummel nur geringe Einflüsse auf Bochum hatte. Die wohl erwähnenswertesten Ereignisse sind eine Mobilisierungskundgebung in Witten eine Woche vor dem Antikriegstag, zu der wir einen Artikel verfasst haben und die Abreise von Neubrandenburger und Berliner Nazis am Antikriegstag über Bochum. An diesem Tag gab es noch eine spontane Kundgebung in Bochum die mit ca. 50 Leuten gut besucht war und sich gegen die „Kameraden aus Berlin und Neubrandenburg“ richtete.

Gruppierungen in Bochum
Wenn es um rechtsgerichtete Gruppierungen in Bochum geht, kann man eigentlich gar nicht davon sprechen, dass es seperate Gruppen sind. Denn, egal aus welchen Spektrum die hier ansässigen Nazis kommen, sie haben ziemlich gute Kontakte untereinander. So kennen die JN/NPD-Aktvisten, die ehemaligen Kameraden der Freien Nationalisten Bochum/Hattingen(FNBH), diese kennen wiederum irgendwelchen Saufnazis, die Saufnazis kennen die meist jüngeren Leute aus dem Stadion, die zum Division 1848 Umfeld gehören. Es ist bekannt, dass alle genannten Personenkreise Überschneidungen aufweisen und zusammen Partys, Saufgelage und Aktionen druchführen. Neustes Erscheinungsbild sind jedoch vereinzelte „Autonome Nationalisten“ welche auch sehr gute Kontakte zu den Kameraden aus Ahlen, Dortmund, Gladbeck und co haben. Aus diesem Personenkreis wurde auch im Sommer 2010 in der U35 ein junges alternatives Pärchen angegriffen und mit Schlägen und Tritten tracktiert. Zusätzlich versprühten die Nazis Pfefferspray. Mensch könnte also sagen, dass es in Bochum nicht an „brauner Brut“ fehlt. Gerade der Nazinachwuchs aus dem Stadion mit Division 1848 ist zu erwähnen, da es sich um eine feste Gruppierung handelt, die immer wieder neue Leute im Stadion kennenlernt. Eine wohl wichtige Option zur Lösung des Stadionproblems ist die Gründung einer explizit antirassistischen Gruppierung innerhalb der Bochumer Fankurve. Immer wieder hört man auf dem Rückweg vom Stadion aus dem Umfeld von Division 1848 rassistische und menschenverachtende Aussagen. Gerade wenn mensch an der Synagoge vorbei läuft werden die Hetzkommentare bezüglich Synagogen und Moscheen lauter. Wie schon oben im Text erwähnt wurde, darf mensch auch nicht den Stadtteil Langendreer aus den Augen verlieren. Der in Eppendorf ansässige Andreas Büscher ist auch in letzter Zeit häufiger mit Andre Zimmer und Jannick Reckwald auf Propaganda-Touren durch diesen Stadtteil. Diese Propagandaaktionen ziehen sich bis nach Weitmar Mitte.

Der Pyromane und Jugenbeauftragte
Wenn mensch über Naziaktivitäten in Bochum redet, kommt diese/r nicht drum herum, André Zimmer zu erwähnen. Bei nahezu jeder Aktion ist dieser anzutreffen und einer der Hauptverantwortlichen für den Wahlkampf der NPD in Bochum. Auch wenn es nur darum geht, im Bochumer Bermuda Dreieck mit den Kameraden die „Deutsche Elf“ anzufeuern oder bei dem Bochumer Festival „Bochum Total“ mit den Kameraden zu saufen. Er ist immer dabei. Auch zu erwähnen ist Markus Schumacher. Wie wir vor Kurzem erfahren mussten erstreckt sich der Aktionsradius Zimmers nicht nur über legale Wege, sondern sie gehen ganz klar in eine gefährliche Richtung. Wie uns Jugendliche aus Wattenscheid mitteilten, hat André Zimmer versucht in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober seine ehemalige Schule, die Hauptschule Preinsfeld, anzuzünden.
Da er sich wohl nicht all zu klug anstellte, gab es am Morgen des 3. Oktober eine Hausdurchsuchung des Wanne-Eickeler Staatsschutzes. Hierbei wurde nicht nur die Wohnung seiner Eltern im Beethovenweg durchsucht, sondern auch die der Oma, die zwei Häuser weiter wohnt. Da das Verhältnis zu den Eltern wohl nicht so gut ist, verbringt André eine große Zeit bei seiner Oma.
Der interessanteste Aspekt der Brandstiftung ist die Tatsache, dass er an die Fassade des Gebäudes „Antifa“ schmierte, mit dem so offensichtlichen wie wahnwitzigen Ziel, eine Stimmung in der Bochumer Öffentlichkeit zu erzeugen, die sich gegen Linke wendet.
Dass dieser Versuch keine Ausnahme ist, zeigen auch die Twitter-Beiträge der NPD Jugend Bochum/Wattenscheid (vormals NSBO, ist aber gelöscht worden). Hier ist alle zwei Wochen davon die Rede, das Zimmer wieder von „Linken Gewalttätern“ angegriffen oder bedroht wurde. Anfang des Jahres ließ die NPD eine Mitteilung verlautbaren, dass der Postkasten und die Hauseingangstür von Andre Zimmer in die Luft gejagt wurde. Schon damals stellten wir uns die Frage, ob eine solche Tat, mit einer solchen Auswirkung überhaupt aus dem antifaschistischen Spektrum stammen kann, da die Gefährdung von Unbeteiligten nur allzu groß zu sein schien. Daher vermuteten wir schon damals, dass André den Postkasten zusammen mit der Haustür mal eben selbst wegsprengte. Auf seinem alten Youtube-Account, von dem es leider keine Screenshots gibt, war vor knapp 2 Jahren bereits ein Video zu sehen, wie er einen Mülleimer wegsprengte und dabei handelte es sich ganz bestimmt nicht um einen Silvester-Knaller.
Auch tauchten im letzten Jahr immer wieder Aufkleber im Wohngebiet von André auf, die Aussagen enthielten wie „Andre Zimmer töten“, „Nazis töten“ usw. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass mit dem gleichen grünen Marker an anderen Stellen mit der selben Schrift Nazi-Parolen geschmiert wurden. Auch seine Schule wurde im letzten Jahr massiv mit eben solchen Parolen beschmiert wobei der Verdacht, dass er dies alles selbstgemacht hat, nach der Hausdurchsuchung im Oktober bestätigt wurde.

Anti-Antifa (Jugend) Bochum?

Bei der Hausdurchsuchung haben die Beamten auch zahlreiche Flugblätter gefunden, die angefertigt wurden, um antifaschistisch oder vermeitlich antifaschistisch organisierte Menschen zu outen. Es handelt sich bei diesen Personen aber fast ausschließlich um welche, die einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Abgeordnete der Linkspartei, Vertreter des „Bündnis gegen Rechts“ usw. Zu einem ersten Outing ist es bereits am Weihnachtswochenende 2010 gekommen. Wie uns die betroffene Person selbst mitteilte, haben Markus Schumacher, David Kasper und André Zimmer Flugblätter über einen vermeitlichen Antifaschisten verteilt. Zusätzlich betreiben der vor kurzem geoutete Nazi Ben Wilde, der Gerüchten zufolge bei seiner Ausbildungsstelle Probleme bekommen hat und wohl zu seiner Mutter nach Wuppertal ziehen musste, und Markus Schumacher eine Anti-Antifa Seite, auf denen vermeitliche Mitglieder unserer Gruppe abgebildet werden. Wir werden die URL der Seite hier nicht nennen, um sie nicht bekannter zu machen, als sie sein sollte. Alle auf der Seite abgebildeten Personen haben bereits davon erfahren und wurden durch uns darüber informiert.
Im Internet ruft er auch dazu auf die Antifaschistische Jugend Bochum zu zerschlagen:

„Für die Zerschlagung der seit 2007 bestehenden Jugendantifa Gruppe (AJB) aus Bochum. Die Mitglieder kommen aus „Kommunitischen Gruppen“ „Schwulenverbänden“ „Ultras“ oder sonstiger Untermenschen Organistionen. Aus den Reihen der AJB werden immer wieder Schwere Straftaten begangen, oder genehmigte Demos, Infostände und alles sonstige Deutsche verhindert. Deshalb sollten die Kameraden und Bürger der AJB zeigen was sie von ihr halten, und endlich mit dieser kriminellen Organisation abrechnen.“
Unser Kommentar dazu: Für die Bildung weitere Untermenschen Organisationen! Jetzt und überall!

Aber nicht nur die Aktionsbereitschaft von Andre und seinen Freunden hat zugenommen. Es sind zwar keine direkten Übergriffe bekannt, jedoch gibt es seit neustem die Information (die sich durch entsprechende Bilder von Andre + Wumme erhärten), dass Andre Zimmer und Markus Schumacher Gaspistolen besitzen und diese auch mit sich führen. Dass dies einen Verstoß gegen das Waffengesetz darstellt, muss hier nicht weiter erwähnt werden. Jedoch zeigt es die Zunahme der Gewaltbereitschaft der Bochumer Nazis. Es ist zudem bekannt geworden, dass die Nazis mit dem Gedanken spielen, linke Treffpunkte in Bochum gewaltsam anzugreifen.
Augenscheinlich fühlen sich die beiden NPD-Hanseln durch ähnliche Aktionen in Wuppertal und Dortmund dazu motiviert.
Dass es nicht nur bei Plänen und Drohungen bleibt zeigt ein Vorfall der letzten Silvesternacht. Als eine Gruppe von Nazis in der Nähe des bochumer Hbf eine Person als „links“ zu erkennen meinten, schlugen sie diese so schwer zusammen, dass sie anschließend ins Krankenhaus musste. Nähere Details zur Tat sind uns leider noch nicht bekannt. Doch wir werden versuchen rauszufinden, wer an dem Überfall beteiligt gewesen ist. Nähere Infos werden dann in Kürze folgen.
Mensch kann ganz klar erkennen, dass sie mit den Vorhaben, ob diese nun letztendlich durchgeführt werden oder nicht, eine Art von Zeichen setzen möchten, dass Bochum „ihre Stadt“ ist. Dies werden wir aber nicht zulassen! Allein die Schändung des jüdischen Friedhofs in Wattenscheid, an der neben Zimmer und Schumacher wohl auch Jannick Reckwald, Andreas Büscher und Simon Lottmann beteiligt waren, stellt eine ganz klare Überschreitung dessen dar, was wir in Bochum tolerieren können. Die Schändungen sind als Reaktion auf die Enthauptung eines Soldatendenkmals in Langendreer zu bewerten, zu der die NPD Bochum/Wattenscheid ebenfalls eine Stellungnahme abgab.

Exkurs: Die Linken warns, oder: wie das Spielchen schon mal geklappt hat
Dass Andre Zimmers Methodik, Straftaten zu begehen, die ganz klar darauf abzielen Linke Strukturen zu kriminalisieren, nicht neu sind, sollte ja jedem bekannt sein. Als im Februar 1933 der Reichstag abbrannte, wurde von den Nationalsozialisten direkt die Behauptung aufgestellt, dass es sich um eine kommunistische Tat gehandelt habe. Das verhalf den Nazis dazu politische Gegner festzunehmen und kommunistische und gewerkschaftliche Verbände verbieten zu lassen. Alles andere ist bekannt.
1969 explodierten in Mailand auf der Piazza Fontana ein Bombe. Es starben 18 Menschen.
Am selben Tag explodierten auch in Rom Bomben. Diese Anschläge sollten der Höhepunkt einer Anschlagsserie sein, die seit April 1969 angehalten hatte. Bei dieser Serie ging es darum, die Linke und vorallem die außerparlamentarische Linke Italiens zu schwächen. Nach den Attentaten wurden zahlreiche Linke und vorallem AnarchistInnen festgenommen. Einer dieser AnarchistInnen, Giuseppe Pinelli wurde aus dem Fenster eines Polizereviers in Mailand gestoßen. Die Polizei versuchte, den Sturz als Selbstmord umzudeuten. Der eigentliche Verursacher dieser Anschläge war die rechtsterroristische Vereinigung „Ordine Nuovo“ um Delfi Zorzi, Paolo Morin und Martino Siciliano. Dass diese Faschisten Unterstützung aus den polizeilichen und staatlichen Kreisen erhielten, kam in den 90er Jahren ans Tageslicht, auch wenn es vielen Linken schon damals klar war, dass es nur so sein konnte. Dies wurde bzw. wird in Italien “strategia della tensione” – die Strategie der Spannung – genannt. Auch als 1980 auf dem Oktoberfest in München eine Bombe explodierte versuchte der damalige bayrischen Ministerpräsident und CDU/CSU-Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß die Attentate Linken in die Schuhe zu schieben. Diese Vorwürfe konnten aber nach wenigen Tagen nicht mehr gehalten werden, da der Attentäter, Gundolf Köhler, der bei der Explosion selbst starb, als bekannter Naziterrorist und Mitglied der verbotenen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ identifiziert wurde. Da diese Ermittlungen nie wirklich aufgerollt wurden und im Sande verliefen, bleibt die Frage, in wie weit Geheimdienste in diese Attentate verwickelt waren, offen.

Die (Statisten-)Rolle des Wanne-Eickeler Staatsschutzes

Nun stellt sich natürlich auch in Bochum die Frage, auch wenn das Niveau der Kriminalisierungsversuche sich im Vergleich zu den historischen Beispielen himmelweit unterscheiden, wie der Wanne-Eickeler Staatsschutz damit umgeht. Weshalb gab es keine Pressemitteilungen zu der Brandstiftung oder etwas zu der Hausdurchsuchung mit den dort gefunden Outing-Flyer? Ist der Staatsschutz etwa nicht Willens oder fähig dazu, seine kleinen Nazis in Schach zu halten oder was für Absichten vertritt er mit seinem Stillschweigen, vor dem Hintergrund, das mittlerweile mit Gaspistolen bewaffnete Nazis durch Bochum spazieren? Weshalb wurde die Öffentlichkeit nicht darüber informiert? Wahrscheinlich weil es Sachen nicht gibt die es nicht geben soll? Oder etwa nicht? Was wird denn die neue Polizeipräsidentin dazu sagen, oder soll die sowas gar nicht wissen?

Mensch Meier, entschuldige bitte, Marc Meier
Eine Person die wohl leider zu wenig Aufmerksamkeit bekommt ist der Physiotherapeut und Filmemacher Marc Meier zu Hartum. Der in Wattenscheid wohnende Nazi ist der Betreiber des Zeitreisen Verlags. Mit seinem Verlag fertigt und vertreibt er Dokumentationen mit Zeitzeugen aus dem Nationalsozialismus für ARD, ZDF und Co. Er selbst ist nicht nur Historiker und Filmemacher sondern er war auch Anführer der Gruppe „Volkswille“, die in den 90ern verboten wurde. Weiteres zu ihm und seiner Vergangenheit findet ihr hier. Dass Marc Meier an dieser stelle noch einmal erwähnt wird, liegt daran, dass er wieder bei öffentlichen Naziveranstaltungen auftritt. So hielt er beim Heldengedenken 2010 der NPD in Wattenscheid und ebenfalls bei der Julfeier der NPD am 19. Dezember einen kulturellen und historsichen Redebeitrag.

Schlussfolgerung
Wie der Artikel zeigt, versuchen die Nazis sich wieder verstärkt zu organisieren und gerade bei Jugendlichen muss frühzeitig ein antifaschistisches und antirassistisches Bewusstsein geschaffen werden. Dass dies zu Zeiten von Sarrazin und co., durch die sich gerade auch Bochumer Nazis immer wieder geschmeichelt und in ihren Aktivitäten bestätigt fühlen, nicht gerade leicht wird, ist uns bewusst. Jedoch werden wir den Nazis nicht einfach unsere schöne Stadt überlassen. Im Jahr 2011 wird es bestimmt wieder zahlreiche Möglichkeiten, geben den Nazis klar zu machen, dass sie trotz ihrer Bestrebungen in Bochum keine Chance haben. In wie weit sich Stadt, Parteien und Polizei zu den Naziaktivitäten in Bochum verhalten werden wir beobachten, allerdings lassen wir uns nicht mehr von diversen Pleiteaktionen, wie in den letzten Jahren, verwundern. Es gibt nichts gutes, außer mensch tut es!

Ob NPD, NSBO oder Division 1848 – Nazis ans Bein pissen!
If the Kids are united, they will never be divided!

Antifaschistische Jugend Bochum,
Januar 2011

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