1. Prozesstag gegen Andre Zimmer

Andre ZimmerAm Montag, um kurz nach halb eins begann der erste Prozesstermin gegen den Bochumer NPD-Aktivisten Andre Zimmer (19) vor ca. 30 Zuschauern. Die Solidarität von nationaler Seite fiel recht mager aus. Anwesend waren Claus Cremer, Daniela Wegener, Marcel Haliti (alle NPD) sowie 5 weitere Kameraden, die höchstwarscheinlich ebenfalls dem NPD-Spektrum zuzuordnen sind. Marcus Schumacher war, überraschenderweise, nicht zugegen. Nach der Personalienfeststellung (Andre Zimmer, geboren am 13. Januar 1992, wohnhaft im Beethovenweg 34), wurden erst einmal die beiden Eltern des Angeklagten, vom vorsitzenden Richter Kirfel, rausgeschickt, weil sie später noch als Zeugen geladen sind. Die Staatsanwaltschaft, vertreten von Holger Heming, begann nun mit der Verlesung der Anklageschrift. Diese belief sich auf knapp ein Dutzend Anklagen, welche von Verstößen gegen das Waffengesetz bis hin zum Besitz von Kinderpornographie so ziemlich alles enthielten.

Das erste Mal wurde der junge Recke am 20.09.2008 beim ersten „Antiislamisierungskongress“ von Pro-Köln auffällig, als bei ihm u.a. ein Messer, Reizgas und ein öffentlicher Wasserhahnring (schlagringähnliche Form) gefunden wurden.

2009 wurde er das erste Mal pyrotechnisch aktiv und sprengte die Eingangstür zu einer leerstehenden Schule auf. Am 30.06.2010 entzündete Andre ein Mobile aus Holz und Plastik vor dem Haus seiner Oma und hinterließ einen Flyer mit der Aufschrift „Achtung Nazi“. Wenig später sprengte er mit Co2 Kapseln seinen Briefkasten und hinterließ ebenfalls Flyer. Bereits am 04.06 hatte er bei seiner Oma Flugblätter mit Inhalten wie „Jeder Schuss ein Nazikopf“ oder „ein Baum, ein Strick, ein Nazigenick“ hinterlegt. Alle Flugblätter unterschrieb er mit „Antifaschistische Jugend Bochum“. Andre gab seiner Kammeradin Daniela Wegener ebenfalls die Zettel. Sowohl sie, als auch Andres Oma erstatteten, wie von Zimmer beabsichtigt, Anzeige. Die Ermittlungen in Richtung „Antifa“ brachten jedoch keine Ergebnisse.

Am 11.08.2010 um 4:40 Uhr zündete Andre eine Papiertonne an. Das Feuer schlug, wie beabsichtigt, auf die zwei nebenstehenden Autos über. Der Sachschaden beläuft sich hier auf 15.000 Euro.

Immer mal wieder wurde Andre bei seinen Streifzügen von der Staatsmacht hops genommen, u.a. als er ein Hakenkreuz an einen Kleidercontainer schmierte. Meistens war er Nachts unterwegs, und das trotz seines (laut Lebenslauf) „hohen Schlafbedürnis“.

Am 25.08. brannte wieder eine Mülltonne. Am 27.08 schmiss er einen Stein in ein Nachbarfenster. Immer wieder wurde seine -mittlerweile ehemalige- Schule, die HS Preinsfeld, Angriffsziel. Diese Versuchte er merhmals anzuzünden, einmal brannte auch eine Holzhütte auf dem Schulhof, und beschmierte sie mit allerlei Drohungen gegen sich selber. Gedroht hat der Andre auch dem Wolfgang Schumacher, genau, dem Papa vom Marcus, der bei der „Sozialen Liste“ ist, sich aber nie von seinem Nazisohn distanziert hat. Naja, jedenfalls drohte Andre ihm „morgen brennt das Haus“, woraufhin der Nazipapa Anzeige erstattete.

Am 01.01.2011, nachts, wurde er erwischt, als er seine Walther-Schreckschusspistole spazieren führte. Bei Hausdurchsuchungen wurden später noch eine Kartoffelkanone und „Schießkugelschreiber“ sichergestellt.

Am 24.01 diesen Jahres griff er, nachdem die Flugblattaktion von ihm seinen Kammeraden auf Protest gestoßen war, mehrere Antifaschisten mit Pfefferspray an.(http://linksunten.indymedia.org/de/node/32819)

Vor ca. 3 Wochen wurde er dann noch in flagranti beim Schnapsklau im Kaufland gepackt. Bis er dann schließlich letzten Freitag in U-Haft ging, weil er es nicht lassen konnte an seiner alten Schule rumzuzündeln.

Zweimal, das letzte Mal vor 4 Monaten, drohte er Mitschülerinen einen Amoklauf an, er würde ihnen aber rechtzeitig bescheid sagen, damit ihnen nichts passiert. Er stand deswegen auch schon einmal vor Gericht, wurde jedoch freigesprochen.

Schließlich ging es um den Vorwurf des Besitzens von Kinderpornographie. Auf Zimmers Handy befanden sich mehrere einschlägige Bilder von 4-16 Jährigen Mädchen.

Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht, schüttelte nur jedes mal den Kopf. 2 Verfahren, einmal wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, einmal wegen Verstoß gegen Versammlungsgsetz sind noch offen, werden aber warscheinlich dem Prozess noch angefügt damit das Gericht ihm, so der vors. Richter, „ein Päckchen“ schnüren kann.

Nun ging es um seinen Lebenslauf:

Eingeschult wurde Zimmer 1998. Nachdem er zwei Jahre lang die Grundschule Westenfeld (Bochum) besuchte, erlitt er einen schweren Verkehrsunfall. Als er über die Straße gehen wollte wurde er von einem Transporter erfasst. Anschließend verbrachte er 1 ½ Jahre in Klinik und Reha, danach weitere 2 Jahre auf der Körperbehindertenschule in Bochum-Langendreer. Der Grund: seine Beine waren so schwer lediert, dass er nicht laufen konnte (bis heute kann er nicht richtig Sport machen) desweiteren verursachte der Unfall psychische Schäden. Er fuhr danach mit der 3. Klasse an der Kirchschule in Höntrop fort. Von 2004-2010 besuchte er die Hauptschule Preinsfeld, die er mit dem Hauptschulabschluß beendete. Seitdem ist er auf Ausbildungsplatzsuche. Ergeben hat sich jedoch trotz der (Eigenaussage) ca. 40 Bewerbungen bisher nichts. Lediglich ein Praktikum im Landschaftsbau, worin er auch gerne beruflich tätig wäre, sprang heraus.

Sein Vater, mobiler Hausmeister, trennte sich 2006 von seiner Mutter, die bei in einem Supermarkt (wo ist bekannt) arbeitet. Trotz der Trennung wohnte der Vater noch ein weiteres Jahr bei der Familie, schließlich zog er aus, blieb aber in Bochum-Wattenscheid (Adresse bekannt). Viel Zeit verbrachte und verbringt Andre bei seiner Oma, die zwei Häuser weiter, im Beethovenweg 36, wohnt. Ab und zu ist dort auch sein kleiner Cousin (4) zu Gast. Hier isst Andre auch oft zu Mittag, Mama muss schließlich arbeiten und die 15 Euro Taschengeld im Monat reichen nicht für die Dönerbude.

Immer wieder versuchte der Einzelgänger in seiner Jugend Anschluß zu finden. Auch mit den Frauen tat er sich schwer. Ob es nun an ihm oder an den Frauen bzw. Männern läge, wie der Richter fragte, wusste Andre nicht genau. Er gab jedoch an mit 17 einmal eine 2 Monatige Beziehung geführt zu haben. Sein Vater schickte ihn mit 15 ½ zur Jugendfeuerwehr Bochum-Günnigfeld, damit „er nicht den ganzen Tag zuhause rumlungert“. Doch auch hier fand er keinen sozialen Anschluß. Letzteren fand er woanders: mit 16 ½ Jahren stieß er in der Bochumer Innenstadt auf einen Infostand der NPD und da er von programmatischen Punkten wie „Heimatschutz“ oder „Überfremdung“ sehr angetan war, dachte sich der Andre: Mensch, da mach ich dochmal mit! Die Eltern fanden das zwar „nicht so gut“ aber sein Entschluss stand fest, er wird Parteisoldat der „Nationaldemokraten“. Alle 1-2 Wochen gab es dann Treffen und ab und an auch Grillfeste u.ä., die jedoch, so betont er, als er später auf ein mögliches Alkoholproblem angesprochen wird, nie ausarteten. Eine enge Freundschaft baute er bei alldem mit Marcus Schumacher auf. Schnell begann der steile Aufstieg, so trat er zu mehreren Wahlen an und wurde „Jugendbeauftragter“. Letzterer hatte jedoch nie reale Arbeit, da sich scheinbar keine Jugendlichen für die NPD interessierten. Dennoch hielt er es für klug die Ämter, nach den jüngsten Vorwürfen, erst einmal ruhen zu lassen. Parteimitglied ist er jedoch weiterhin. An Infotischen u.ä. wolle er sich auch erst einmal nicht beteiligen „weil es da immer Schlägereien gibt“. Ganz stimmen mit der politischen Astinenz tut das jedoch nicht, schließlich sah man Andre zuletzt in Stolberg (sein Auftritt war hier jedoch nur kurz) und 23. April in Geldern, beim NPD-Infostand gegen -na was wohl?- genau, „Kinderschänder“.

Der nächste Termin ist Morgen, Freitag, 27. Mai um 9.00 Uhr im Saal C 147. Weitere vier folgen. Sofehrn er als schuldfähig, was für jeden Tatvorwurf einzeln geprüft werden muss, anerkannt wird, ist eine Jugendstrafe warscheinlich.