3. und 4. Verhandlungstag gegen Andre Zimmer

Letzte Woche fanden am Dienstag und Mittwoch weitere Prozesstage gegen den ehemaligen Jugendbeauftragten der Bochumer NPD Andre Zimmer. Nachdem zuletzt die Anklage verlesen und sein Lebenslauf geschildert wurden, wurde Dienstags dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung nachgegangen. Diese soll sich am 24. Januar diesen Jahres in der Bochumer Innenstadt zugetragen haben.
Fünf Nazis verteilten Flugblätter am Hauptbahnhof und nachdem es nach friedlichem Protest seitens der Antifaschist_Innen zur Eskalation kam und die Anwesenden Andre Zimmer und Dennis Bruglemanns aus Gelsenkirchen nach dem Vorfall geflüchtet sind, sollen ihnen zwei Personen gefolgt sein. An einer Ampel soll eine Antifaschistin die Nazis zur Rede gestellt haben, wonach Zimmer eine Kanne mit Reizgas zog und ihr aus nächster Nähe ins Gesicht sprühte.(http://ajb.blogsport.de/2011/01/26/bewaffnete-nazis-gegen-linke-spontand…) Die zweite Person soll von den beiden ebenfalls mit Reizgas und Tritten verletzt worden sein.

Obwohl Zimmer alle Taten (bis auf den Besitz von Kinderpornografie) gestanden hat, zog er es vor bei dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung die Unwahrheit zu sagen. Er behauptet in Notwehr gehandelt zu haben, denn an der Ampel habe die Antifaschistin ein „kleines Pfefferspray“ gehabt, welches sie ihm an den Ärmel gesprüht haben soll. Nachdem sie den Nazis weitere 200 Meter gefolgt sei und nicht abgelassen hat diese zu beschimpfen, habe er sich genötigt gefühlt sie mit dem Pfefferspray anzugreifen. Zudem haben die Zeug_Innen ebenfalls das Reizgas abbekommen, weil die Nazis auf dem Weg zum Bahnhof, unmittelbar nach diesem Angriff, um sich gesprüht haben sollen.

Die ersten Zeug_Innen waren an diesem Tag eine unbeteiligte Familie, die das Geschehen beobachtet haben. Sie schilderten das Geschehen und gaben an, dass die Antifaschistin weder einen Gegenstand in der Hand gehabt habe noch die Nazis angegriffen hat. Als Zimmer sie mit Reizgas einsprühte, kam die zweite Person ihr zu Hilfe, wobei es zwischen ihr und den Nazis zu einer Auseinandersetzung gekommen sein soll.

Auch die beiden Verletzten schilderten ihre Sicht der Dinge. Nachdem das Mädchen von Bruglemanns bedroht worden ist, er hätte ihr schon längst eine reingehauen, wenn sie keine Frau wäre, und sich entfernen wollte, fand der besagte Angriff von Andre Zimmers Seite statt. Als der herbeieilende Junge ebenfalls durch das Gas und Tritte von Bruglemanns verletzt worden ist, riefen Passant_Innen den Krankenwagen.

Danach sagte Zimmer aus und räumte ein, wütend gewesen zu sein, weswegen er die Antifaschistin angriff. Schließlich erschien Dennis Bruglemanns und legte einen oskarreifen Auftritt hin. In klassischer Skinhead Montur mit einem Shirt der „Kameradschaft Volkssturm Deutschland“ wurde er zu seinem Verhältnis zu dem Angeklagten befragt. Dieser sei nie gewalttätig aufgefallen, auch Alkoholexzessen seien von ihm nicht bekannt gewesen. Dass er die Taten gestanden haben soll, hänge damit zusammen, dass er es in U-Haft so schwer hätte und man unter Druck ja Allem zustimmen würde. Die Eskalation am Hauptbahnhof habe er als „Kriegszustand“ beschrieben, jede_r einzelene Antifaschist_in habe eine Kette, ein Pfefferspray oder einen Schlagstock bei sich gehabt. Er und Zimmer seien geflüchtet, weil sie Angst um ihr Leben gehabt haben sollen.

Auf die Frage, ob die Antifaschistin einen Gegenstand an der Ampel in ihrer Hand gehabt haben soll, antwortete er zunächst mit nein, räumte jedoch ein, dass sie einen Totschläger in der Hand gehabt haben soll. Fast komisch war sein Auftritt auf dem Zeugenstuhl, denn die beiden Nazis widersprachen sich vehement.

Am nächsten Tag wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit das psychologische Gutachten verlesen. Dann plädierte die Jugendgerichtshilfe für wenn überhaupt eine Freiheitsstrafe in Betracht kommen sollte, diese auf Bewährung auszusetzen. Zudem soll Zimmer psychologische Betreuung erhalten und evtl. in ein betreutes Wohnen kommen.

Die Anklagepunkte der Brandstiftung und des Mitführens/Besitzes unerlaubter Waffen (hierbei handelt es sich um seine Gaspistole) wurde ebenfalls eingestellt. Die momentanen Verfahren wegen mehrfacher Körperverletzung werden eventuell zu einem Verfahren zusammengefasst.