Unheimlich Nazi-Kundgebung am 20.08. in der Innenstadt

Am Samstag, dem 20.08.2011, fand nachmittags eine Demonstration unter dem Motto „gegen die Freilassung des Kinderschänders Rüdiger K.“ in der Bochumer Innenstadt statt. Anmelder und ein Teil der Organisatoren waren Rechtsradikale.

Kundgebung und Gegenaktivitäten

Gegen 16:00 begannen sich sowohl Nazis als auch alternative Jugendliche am Bochumer Hauptbahnhof zu versammeln um gegen die Freilassung eines „Kinderschänders“ zu demonstrieren.
Insgesamt waren ca. 50 Personen an der Versammlung beteiligt. Die Route der rechten Demo ging „nur“ wenige Meter. Nach einer Auftaktkundgebung liefen die DemonstrantInnen durch eine Einkaufsstraße, bis sie auf dem Dr. Ruer Platz zu ihrer Endkungebung kamen. Insgesamt dauerte das schaurige Spektakel etwas mehr als 2 Stunden.

AntifaschistInnen wurde erst am Freitag Abend bekannt, dass diese Demonstration statt findet und wer sie organisiert. Es wurde zu Gegenaktivitäten aufgerufen und per Eilanmeldung eine Gegenversammlung angemeldet. Diese Begann um 16:00 nur wenige Meter, allerdings außer Sichtweite, von der rechten Demo. Zuerst zählte diese Kundgebung nur 10 AnitfaschistInnen. Um in bessere Hör- und Sichtweite zu gelangen entschlossen sich andere Antifas durch die U-Bahn Station des Hauptbahnhofes mit einem Transparent und Flugblättern bewaffnet an die faschistische Kundgebung heran zu kommen. Dies gelang ihnen nur kurz und sie wurden zur angemeldeten Kundgebung verwiesen. Als die Personen der rechten Demo ihren kurzen Marsch zur Endkundgebung antraten, wurden die Antifas über eine andere Straße an ein anderes Ende des ::Dr. Ruer Platzes:: geleitet. Dort war mensch zumindest in besserer Hörweite. Es wurden Flugblätter an PassantInnen verteilt und per Megafon die Innenstadt auf die Nazi-Kundegebung aufmerksam gemacht.

Eine unheimliche Szene

Angemeldet wurde das ganze Theater von Chrisopher K., ein Nazi, welcher auch für die Mobilisierung auf Facebook verantwortlich ist. Er und ein gewisser Andie H. erstellten eine Veranstaltung, welche zu der Demonstration aufruft. Es gab über 300 Zusagen. Über diese virtuelle Veranstaltung wurde auch an organisierte Neo-Nazis die Parole, „dass dies keine politische Veranstaltung sei“ und „dass die KameradInnen ihre Fahnen und Transparente zuhause lassen sollten“ ausgegeben. Christopher K. hat allerdings sowohl zu rechtsradikalen Rockern als auch zu NPD-Kadern, wie Claus Cremer oder Marcel Haliti, gute Kontakte. Er erzählte sogar, dass diese seine Demonstration gut fänden und den vermeidlich unpolitischen Charakter unterstützen würden.
Dass die Demonstration allerdings einen faschistischen Charakter hat, konnte man schon an einigen Kommentaren auf der Seite der Facebook-Veranstaltung sehen. („Schwanz ab von dem Penner“/ „das drecksschwein muss man kalt machen“/ „medikamentöse Kastration“). Dies sind nur einige Kommentare. Außerdem wurde ein Foto auf der Seite der Veranstaltung hochgeladen. Dies enthält eindeutigen Antisemitschen Inhalt. Titel des Bildes: „Jewbook – Scheiß Juden – dir gefällt das“.

Das erst recht unheimliche an dem ganzen sind die verschiedenen Gruppen im Publikum der Nazi-Demo. Es waren Punks, Skater und andere subkulturelle Jugendliche, aber auch Autonome Nationalisten aus dem Ruhrgebiet und andere Nazis vorhanden. Der ersten Gruppe fiel vereinzelt, allerdings erst am Ende auf, in welcher Demonstration sie mitgelaufen sind. Menschen, welche sonst auf Antifa-Demonstrationen zu sehen sind gaben sogar Ordner für die Nazis ab.

Nazis Versuchen schon seit Jahren unter dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder“ sich mit der „normalen Bevölkerung“ zu vereinen. Dies klappte nie wirklich. Allerdings wurde an diesem Tag ein „sichtlicher Schulterschluss“ zwischen jugendlicher Subkultur und organisierten Neo- Nazis erreicht.

Hier der Text des Antifa-Flugblattes:

Gegen Nazis – Dem Wolf den Schafspelz entreißen

Am heutigen Samstag findet in der Bochumer Innenstadt eine Demonstration unter dem Motto „Gegen die Freilassung des Kinderschänders Rüdiger K.“ statt. Hinter diesem Motto verstecken sich jedoch nicht völlig unbescholtene und besorgte Bürger, die ihre Meinung kund tun wollen, sondern teils organisierte Neonazis.
Bereits im Vorfeld wurde in rechtsradikalen Kreisen zu der Demonstration mobilisiert. Dabei wurde darauf verwiesen, dass diese „keine politische Veranstaltung“ sei und dass die „KameradInnen“ ihre rechten Flaggen und Transparente diesmal Zuhause lassen sollten. Es wird jedoch deutlich, dass deren menschenverachtende und gewalttätige Gesinnung nicht zu Hause bleibt: So wird auf Facebook in der Gruppe, die zur Demonstration aufruft und von dessen Anmelder, dem Nazi Christopher K., erstellt wurde, die Kommentarspalte dazu benutzt, sich gegenseitig mit perversesten Gewaltphantasien zu übertrumpfen*. Und auch die von Nazis bekannte Forderung nach einer „Todesstrafe für Kinderschänder“ wird gebetsmühlenartig von vielen rechten Nutzern als Kommentar hinterlassen, die ihre Teilnahme angekündigt haben. Doch nicht nur die Misshandlungs- und Tötungsvorstellungen der User alarmieren. Ein Foto welches im Facebookstil gehalten ist, wurde in der Gruppe hochgeladen, dessen antisemitischer Inhalt die nazistische Einstellung vieler Gruppenuser offenbart: „Jewbook. Scheiß Juden – dir gefällt das“ ist dort zu lesen. Mittlerweile haben sich auch organisierte Nazigruppen aus Dortmund angekündigt, die im Kampfoutfit teilnehmen wollen. Diese sind dafür bekannt in Dortmund ganze Stadtteile mit rechtem Terror zu überziehen.
Die Verbindungen des Anmelders K. in die organisierte Neonaziszene bestehen jedoch vor allem zu rechtsradikalen Rockern und zu Kadern der NPD. So holte er sich im Vorfeld die Meinung vom NPD-Landesvorsitzenden Claus Cremer ein, der ihm attestierte, dass es ein guter Ansatz ist auch mal „unpolitisch“ in Aktion zu treten und auf diese Weise den Schulterschluss zur normalen Bevölkerung zu suchen. Und genau an diesem Punkt muss eine Zäsur gemacht werden!

Es ist für uns nicht hinnehmbar, dass Neonazis, deren Umfeld sich in der Vergangenheit in Bochum und anderen Städten durch gewalttätige Übergriffe, Schändungen jüdischer Grabmäler und Sprengstoffanschläge hervorgetan haben, nun als Wolf im Schafspelz auf der Straße stehen und gemeinsam mit normaler Bevölkerung demonstrieren. Es darf ihnen nicht möglich sein unkommentiert auf die Straße zu gehen und Demonstrationen abzuhalten, ob mit Reichskriegsflagge oder unter dem Deckmantel der Sorge um die eigenen Kinder. Lassen wir es nicht zu, dass Nazis sich unter die Bevölkerung mischen und mit ihrer Demagogie Einzug in das alltägliche Bild unserer Stadt erhalten.

Nazistrukturen offenlegen – Nazistische Umtriebe enttarnen!

Kein Fußbreit den Faschisten!

*„und dann den Schw°°° millimeter einritzen“, „Schw°°° ab von dem Penner“, „das drecksschwein muss man kalt machen“, „medikamentöse Kastration“ (Zitate von Facebook)

Links:

Mobilisierung der Nazis auf Facebook:

Facebook-Veranstaltung – https://www.facebook.com/event.php?eid=246379992049623