Flugblatt gegen Nazis und Alltagsrassismus

Gemeinsam & Solidarisch – Alltagsrassismus und Nazis bekämpfen !

Ende August entstand am Bahnhof Langendreer ein Graffiti, dass die Überschrift dieses Flugblattes trägt. Dieses Flugblatt ruft dazu auf dieses Motto in die Tat umzusetzen, erklärt die beunruhigende Situation mit den Nazis und kritisiert den allgegenwärtigen Alltagsrassismus.

Langendreer und das Nazi-Problem

Seit Anfang dieses Jahres häufen sich die Aktivitäten von Neo-Nazis in Langendreer. Begonnen hatte es mit Übergriffen und Einschüchterungsversuchen gegenüber AntifaschistInnen. Die damaligen Aktionen gingen von einer Jugendclique aus, welche aus Schülern verschiedener Schulen in Langendreer besteht. Diese Jugendlichen traten im Look der „Autonomen Nationalisten“ (in schwarzen Regenjacken, Basecaps und Palästinensertüchern) auf. Eigentlich Klamotten, welche man eher in linken Kreisen oder jugendlichen Subkulturen zuordnen würde. Allerdings gibt es schon seit vielen Jahren Nazis, die mit diesem kopierten Aussehen versuchen attraktiver für Jugendliche zu erscheinen. Die Jugendlichen selber bezeichnen und verstehen sich als Faschisten. Ihre „Gruppe“ besteht aus knapp 10 Leuten. Doch bald schon kamen neue Probleme dazu. Als die NPD im März dieses Jahres eine Kundgebung vor dem Langendreer-Amt abhielt. Hier trat zum ersten Mal Daniel E. öffentlich in Erscheinung. Er ist rechten Skinheads zuzuordnen, welche Mitte dieses Jahres in Langendreer mit gewalttätigen Aktionen, die von Übergriffen bis zu Sprengstoffanschlag reichen, auffielen. Diese Nazis bedrängen Jugendliche, welche Nazipropaganda von den Straßen entfernten und schüchtern AntifaschistInnen und Linke mit roher Gewalt ein. Mitte März explodierte der Briefkasten eines Mehrfamilienhauses in Langendreer. Daniel und seine Freunde fotografierten sich mit einem breitem Grinsen und erhobenen Daumen vor diesem Briefkasten. Das Ziel war eine Anwohnerin, welche sich gegen die Nazis offen ausgesprochen hatte. Es ist auch davon auszugehen, dass die massive Nazipropaganda auf den Straßen Langendreers dieser Gruppe zu verdanken ist, welche seit März 2011 aktiv ist. Denn seit diesem Datum sieht man vermehrt Hakenkreuze und Parolen wie „88“ (Zahlencode für Heil Hitler) und SS-Runen an den Häusern stehen. Die Nazis zeigen allerdings auch mit Aufklebern der NPD und „Autonomen Nationalisten“, welche stark in Dortmund vertreten sind Präsenz. Die rechten Skins stehen in Verbindung mit der NPD. Vor allem zu dem ehemaligen NPD-Jugendbeauftragten, Andre Zimmer, welcher im Juni dieses Jahres unter anderem wegen Sprengstoffanschlägen und Körperverletzung verurteilt wurde. Auch er war bei rechtsradikalen Partys in Langendreer anzutreffen. Es ist auch davon auszugehen, dass die Nazis aus Langendreer zum „Nationalen Widerstand Dortmund“, einer überparteilichen Nazi-Gruppe aus Dortmund in Kontakt stehen. Dortmund gilt als Nazi-Hochburg. Die Stadtteile von Dortmund, in denen die Nazis sehr aktiv sind grenzen übrigens zum großen Teil an Langendreer. Dieses Jahr ist es auch zum ersten Mal passiert, dass für einen großen Nazi-Aufmarsch, der jedes Jahr im September in Dortmund statt findet, in Bochum erstaunlich viel Propaganda auf den Straßen Langendreers zu finden war. Hier hatte nicht jemand ausversehen die Stadtgrenze überschritten, sondern gezielt in Bochum Propaganda für die starken Dortmunder Nazi-Strukturen gemacht.

Kommt das vom Alltagsrassismus ?

In Deutschland herrscht eine rassistisch aufgeladene Stimmung. Diese hat ihren Ursprung zum größten Teil nicht bei Neo-Nazis, sondern in einer Hetze, welche von der bürgerlichen Gesellschaft und den Medien mitgetragen wird. Politiker wie Thilo Sarrazin und Christina Schröder, die MigrantInnen eine von Geburt an niedrige Intelligenz zuschreiben und sie als besonders gewaltbereit abstempeln treiben einen Diskurs voran, der Angst vor dem Islam und somit auch vor Menschen, die aus sogenannten „Islamischen Ländern“ stammen, schürt. Viele Menschen sind für solche Ängste empfänglich. Die Angst geht so weit, dass Menschen wie die Muslima Marva el-Scherbini 2009 in einem Dresdener Gerichtsall von einem Mann aus rassistischem Motiv erstochen wurde. Soziale Einschnitte und sonstiges Unrecht werden denen in die Schuhe geschoben, welche weder etwas dafür können und selber unter miesen Verhältnissen leiden. Hierbei wird so getan , als ob Herkunft oder Religion der Menschen das eigentliche Problem wären, somit wird die Hetze kuluturalisiert. Und das soziale Problem wird nicht mehr beachtet – es ist ja auch viel einfacher den Menschen die Schuld zuzusprechen als sich selber verantworten zu müssen und zuzugestehen, dass eine Menge falsch gelaufen ist und eine „Integrationspolitik“ nie statt gefunden hat. Unter so einem Klima ist für Nazis ein Nährboden geschaffen. So können sie ihre Menschenverachtende Ideologie unter „normalen“ Menschen verbreiten und diese sind empfänglicher dafür. Natürlich ist das nicht der einzige Grund dafür, dass es Nazis gibt. Jedoch macht ihnen es deutlich einfacher zu agieren. Die Nazis sind hierbei quasi ein nicht geplanter, radikaler Arm der Gesellschaft, was in einer Gesellschaft, die durch Konkurenzkampf und dem Erfolg des Stärkeren geprägt ist nicht verwunderlich ist. Der Faschismus ist schließlich nur die Zuspitzung der kapitalistischen Denkmuster in denen wir leben. Durch die sozialen Ungerechtigkeiten die im Kapitalismus vorprogrammiert sind wächst bei manchen die Wut auf Randgruppen und die Schuld wird ihnen zugesprochen. So ist es auch bei den Nazis.

Widerstand!

Es ist ein Muss, gerade unter diesen Umständen den Nazis und den alltagsrassistischen Denkmustern den Kampf anzusagen. Dies kann nur Gemeinsam & Solidarisch geschehen. Haltet zusammen und achtet auf euch. Entfernt Nazipropaganda aus eurem Stadtteil und sagt den Nazis was ihr von ihnen und ihrer Ideologie haltet. Wenn ihr einen Übergriff oder sonstige faschistische Aktivitäten beobachtet schreitet ein und zeigt, dass Nazis nicht in eurem und auch in keinem anderen Stadtteil etwas zu suchen haben. Helft Menschen, wenn sie direkt unter Übergriffen und Aktionen leiden. Macht deutlich, dass jeder Mensch, egal woher er/sie kommt oder welcher Religion er/sie angehört immer und überall willkommen ist!

Informiert euch bei örtlichen AntifaschistInnen und informiert sie, wenn ihr etwas beobachtet habt.

Gemeinsam & Solidarisch – Alltagsrassismus und Nazis bekämpfen !

Antifaschistische Jugend Bochum – www.antifa-jugend.org