Chronik der Naziübergriffe in Bochum-Langendreer

Das Bündnis „Langendreer gegen Nazis“ hat sich im Laufe dieses Jahres in Reaktion auf die steigende Zahl bekannt gewordener Überfälle von Neonazis auf MigrantInnen und Andersdenkende formiert und nun eine Chronik zusammen gestellt, um der Öffentlichkeit einen Überblick über die rechten Aktivitäten zu verschaffen. Am 15. April verteilten wir bereits auf der Demonstration gegen Nazistrukturen in Bochum eine Chronik, die nun um viele weitere und teilweise noch brutalere Übergriffe erweitert werden musste. Der hinlänglich bekannte Polizei- und Gerichtsreportert der WAZ Bernd K. gab sich gerade beim letzten Vorfall wieder die Ehre als unkritisches Sprachrohr der Polizeipressestelle: Er verklärte eine handfeste Bedrohung eines Nazis gegen Kinder glatt zu einem Familienstreit. Im folgenden könnt ihr die Chronik einsehen:

Neonazi-Aktivitäten in und um Langendreer 2011 (unvollständig!)

(Quelle)

12.03.2011

Bedrohung einer Anwohnerin und Sprengung ihres Briefkastens in Langendreer. Täter bis heute unbekannt. Schon einige Zeit vorher sind zwei Mietparteien wegen Pöbeleien und rechtsradikalem Gegröle aus dem Haus des bekannten Nazis Daniel E. ausgezogen: aus Angst.
Pressemitteilung der AJB
Artikel in der BSZ
Seit März sichtbare Zunahme von Aufklebern und Schmierereien von Nazi-Symbolen.

02.04.2011

Circa 100 Nazis demonstrieren nahe der Stadtgrenze zu Bochum-Langendreer in Dortmund-Lütgendortmund gegen die Unterbringung von jugendlichen Flüchtlingen im Wohnheim „Grevendicks Feld“. Bochumer Nazis sind mit dabei.

09.04 .2011

Nächtlicher Angriff von drei Neonazis auf drei Personen in der der Alten Bahnhofstraße. Einer der Neonazis schlägt zu und ruft „Zecke verrecke“. Der betroffene Rechtsanwalt ist leicht verletzt. Die Täter flüchten und werden bis heute nicht gefasst.

01.05.2011

Gegen 01:30 Uhr laufen drei Männer auf der Alten Bahnhofstraße in Richtung Langendreer Amt. Sie brüllen „Sieg Heil“ und „Hier marschiert der nationale Widerstand!“. Als sich eine Anwohnerin aus dem Fenster lehnt und sie auffordert, das Brüllen einzustellen, ruft einer der Männer: „Halts Maul, du Fotze!“ Nächtliche Umzüge mit Nazi-Grölereien werden immer häufiger.

02.06.2011

Ans Amtshaus in Langendreer wird „White Power“ und ein Hakenkreuz gesprüht. SS-Runen und Ähnliches werden auf einen Lieferwagen und öffentliche Flächen am Karl-von-Ossietzky-Platz gesprüht.

06.06.2011

Circa 40 Nazis protestieren am Kurt-Schumacher-Platz/Huestraße (Nähe Hauptbahnhof Bochum) gegen angebliche „Übergriffe auf ihre Kameraden“, die in Langendreer durch Migranten angegriffen und verletzt worden sein sollen. Auch einige NPDler und etliche Autonome Nationalisten aus Dortmund und Recklinghausen sind anwesend.

30.06.2011

Circa 10 Nazis verteilen an einem NPD-Stand auf dem Langendreerer Marktplatz ihre Propaganda. Bekannte Anwesende sind unter anderem Marcel Haliti (NPD-Ratsherr Essen), Claus Cremer (NPD Ratsherr Bochum), Markus Schumacher und Carsten Römhild (NPD Bochum). Außerdem sind weitere Neonazis da, die schon auf NPD-Ständen in Essen gesichtet wurden.

Juli 2011

In der Teimannstraße und Unterstraße werden vermehrt NPD-Aufkleber gesichtet. Im Bereich Amt finden sich zahlreiche Naziaufkleber des „Freien Netzes“.

02.07.2011

Nazis ziehen grölend durch Langendreer. Ein Fahrzeug eines Antifaschisten wird mit Aufklebern beklebt. An der Unterstraße finden sich an einer Haltestelle mehrere Aufkleber der NPD. Am 17.07. kleben an derselben Haltestelle noch einmal die gleichen Aufkleber.

07.07.2011

Zwei Frauen kommen aus der Gaststätte Landau an der Alten Bahnhofsstraße. Als sie an einer Gruppe von fünf bis sechs Neonazis vorbeigehen, werden sie beschimpft, verfolgt und sie werden mit Böllern beworfen.

09.07.2011

Drei Kölner StudentInnen warten am S-Bahnhof Langendreer auf die letzte Bahn. Am Bahnsteig werden sie von einer Gruppe Neonazis belästigt, die Naziparolen grölen.

19.08.2011

Daniel E. aus Langendreer wird beobachtet, wie er am Abend „An der Laake“ mit nacktem Oberkörper, Handschuhen und Hammer in der Hand gegen ein Fahrzeug mit
Migrant*innen tritt, rumbrüllt, sie auffordert, auszusteigen. Unterstützt wird er von einem Mann mit Baseballschläger in der Hand. Verbal droht er auch noch einer
Nachbarin. Sinngemäß: „Soll die Schlampe doch die Bullen holen. Die fick ich auchnoch.“ Das Ganze findet vor der Wohnung seiner Schwester statt, die dort mit ihrem
Nazifreund, Kind und Hund lebt.

August 2011

Am Haus eines couragierten Bürgers landen auf dem Parkplatz jede Menge selbstgemalte Schnipsel mit NS-Parolen und einer Nachbarin werden über die Terrassentür zwei Eier in die Wohnung geschmissen. Wieder ein Info-Stand der NPD am Marktplatz Langendreer. Außerdem randaliert eine Gruppe Neonazis vor einem neueröffneten griechischen
Restaurant in der Alte Weststraße und ruft Besuchern zu, Deutsche sollen nur bei Deutschen essen, und wiedermal Naziparolen.

22.08.2011

Pöbeleien und Androhung körperlicher Gewalt seitens zweier Nazis aus einem Auto heraus am Kreisverkehr am Amt.

24.09.2011

Nazis spucken um Mitternacht in der Alten Bahnhofstraße gegen das Fenster eines couragierten Anwohners zünden Bengalische Feuer und rufen Parolen. Eine Stunde
später greifen Nazis (dieselben?) drei Menschen am S-Bahnhof Langendreer an, brechen einem von Ihnen das Nasenbein und schubsen die anderen beiden auf die
Gleise kurz bevor die S-Bahn kommt. Die Polizei ermittelt noch. Elf Nazis stehen in Verdacht.
Lokalkompass
Artikel bei Indymedia Linksunten
Artikel bei Indymedia Deutschland

03.10.2011

Die Fensterscheiben am Linkspartei-Büro an der Unistraße werden eingeschlagen:
Artikel bei Bo-Alternativ

Mitte Oktober 2011

Verteilerkästen auf der Stiftstraße, der Alten Bahnhofstraße und am Kreisverkehr am Amt werden mit Hakenkreuzen, „NS jetzt“ und „frei sozial national“ beschmiert.

22.10.2011

Infostände der NPD in Werne, Weitmar und Wattenscheid

25.10.2011

Brandanschlag auf eine Pizzeria in der Kaltehardstraße. Fünf Neonazis werden vorübergehend in Gewahrsam genommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Ob die
Tat von Neonazis begangen wurde ist nach wie vor unbekannt. Es gab aber früher schon Pöbeleien von Nazis vor der Gaststätte. Artikel in den Ruhrnachrichten
Artikel in der WAZ

14.11.2011

Daniel E. pöbelt drei Mädchen in Langendreer an und bedroht sie. Sie fliehen in eine
Apotheke, rufen die Polizei und ihre Eltern an. E. begibt sich derweil zu seiner
Schwester in der Straße An der Laake. Wenig später treffen dort die Eltern und
Verwandte der Mädchen und auch zwei Polizisten ein. Diese fordern Verstärkung an. Es
erscheinen mehrere Streifenwagen mit Polizisten in Schutzanzügen. Ob Anzeige gegen
E. erstattet wurde ist uns bisher leider nicht bekannt.
Artikel bei bo-alternativ